Aktuell
     

Schweizer Schnaps Forum

 

News

In eigener Sache, 3. Feb. 2010

Der Zusammenschluss
Nun ist es soweit. Am 3. Februar 2010 wurde die gemeinsame Plattform für eine nationale Schnapsprämierung von Schweizerischem Obstverband (SOV), Schweizerischem Brennerverband (SBV) und Schweizerischem Sprirituosenverband (SSV) sowie dem Schweizer Schnaps Forum (SSF) und der Fondation Rurale Interjurassienne (FRI) gegründet. Sie trägt den Namen «Distisuisse». Die Prämierungsorganisation der Brennereibranche «Distiswiss» wurde vorgängig aufgelöst. Erstmals arbeiten somit alle fünf Organisationen, die sich mit Schweizer Spirituosen befassen, zusammen. Ihre Aktivitäten sollen dazu beitragen die Qualität einheimischer Destillate zu verbessern, ein schweizerisches Kulturgut zu bewahren und seinen Stellenwert in unserer Gesellschaft zu fördern.
Der Name der neuen Organisation gab einiges zu diskutieren. Die alte Bezeichnung «Distiswiss» wollte man nicht einfach übernehmen, obwohl die Bezeichnung vieles für sich hat. «Distisuisse» war der Kompromiss. Obwohl phonetisch kein Unterschied besteht, ist es ein neuer Name, zudem geschrieben in einer der Landessprachen.
Ein weiterer Knackpunkt war die von den Branchenverbänden geforderte Mindestmenge von 50 Litern trinkfertigem Produkt, damit ein Produkt überhaupt zur Prämierung zugelassen wird. Diese Menge ist für Kleinbrenner klar zu hoch. Diese sollen jedoch nicht durch reglementarische Bestimmungen vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Dadurch würde auch die Produkteviel-falt stark verringert. Damit aber ein prämiertes Produkt auch wirklich auf dem Markt erworben werden kann, wurde die Mindestmenge auf 30 Liter trinkfertiges Produkt festgesetzt. Für Destillate wie Beeren-, Wildfrucht-, Gemüsebrände etc. wurde die Menge, welche nach der Prämierung zum Verkauf stehen soll, auf fünf Liter festgelegt.
Als erste Präsidentin der Organisation zeichnet Josiane Engasser (SOV), Vizepräsident ist Thomas Heiner (SSF) und als Kassier amtet Michel Thenz (FRI).
Die Nationale Schnapsprämierung soll alle zwei Jahre stattfinden. Die erste gemeinsame Prämierung geht im Frühsommer 2011 über die Bühne. In den Zwischenjahren werden weiterhin regionale Prämierungen organisiert.


Tages-Anzeiger, 19. Jan. 2010

Kreuz & Verquer

Eine lustige Truppe scheint die Eidgenössische Alkoholverwaltung zu sein. So vermeldet sie auf ihrer Homepage «das Ergebnis einer kleinen Revolution in der Kommunikation»: Künftig erscheint das Magazin der Alkoholverwaltung nicht mehr unter dem Namen «Communica» sondern mit dem Titel «C2H5OH - Alkohol und Politik». Die chemische Formel für Ethanol oder Ethylalkohol sei neu auch die Formel für das Magazin. Wir stellen uns die Frage, ob die Bundesstelle, wie es der Name vorgibt, den Alkohol tatsächlich bloss verwaltet - oder selbigem, gelegentlich, auch zuspricht. Denn man muss sich wohl kräftig einen hinter die Binde kippen, um auf eine solche Schnapsidee zu kommen. (daf)


Sonntagszeitung, 13. Sept. 2009

15 Spitzenbrenner auf einen Streich

Im frisch renovierten Grand Resort Bad Ragaz findet das erste Schweizer Festival für Edelbrände statt.

Karin Ömigen

Das Motto des Geniessers, «Ein Schnäpschen in Ehren kann niemand verwehren», wurde durch die Einführung der tiefen Promillegrenzen Lügen gestraft. Zeigte man sich früher gegenüber einem guten Kirsch, einer verflüssigten Mirabelle oder einer vergeistigten Williamsbirne nach einem guten Essen nicht abgeneigt, bleibt deren Genuss heute nur noch den Bei- und Nichtfahrern vergönnt. Um so willkommener ist das erste Schweizer Edelbrandfestival, bei dem ganz ohne Furcht und polizeilichen Tadel den besten heimischen Bränden gefrönt werden kann. Der Anlass findet am Weekend vom 19. und 20. September im Grand Resort in Bad Ragaz statt. und ermöglicht Amateuren wie Kennern, sich durch destillate Höhenflüge von 15 Spitzenbrennern. zu kosten, an Prämierungen teilzuhaben, sich am Abend ein Edelbrand-5-Gang-Gala-Diner zu gönnen und anschliessend in eines der zu Fuss erreichbaren Hotelbetten zu sinken. Mit dem Degustieren von 80 goldprämierten Destillaten kann dann am Sonntag ab 10 Uhr fortgefahren werden.
Wer glaubt, dass er beim Kosten und. Beurteilen von Bränden als Nichtprofi überfordert. sei, irrt. Destillate lassen sich leichter degustieren als Weine, Misslungenes wie Gelungenes ist eindeutiger erschnupper- und erschmeckbar. Um den Spucknapf aber kommt man auch beim Schnapsdegustieren nicht herum, will man am nächsten Tag noch wissen, ob einem der Seppetoni besser gemundet hat als der Basler Langstieler, ob man eher ein Freund der grünen Fee oder ein Anhänger der alten Pflaume, genannt Vieille Prune, ist.
Die am Festival teilnehmenden Brenner gehören zu den bestem des Landes. Darunter die Maienfelderer Margrit und Martin Kunz-Keller; deren Destillate vom Schweizer Schnaps Forum mehrfach mit Gold belohnt worden sind, die meistgekürte Brennerei der Welt im Kirschbereich, die Arnold Dettling AG im Brunnen sowie Oliver Matter-Luginbühl im Berner Kallnach. Der Erlebnisbrenner aus dem längsten Strassendorf der Schweiz hat an der diesjährigen Wine and Spirits Competition in London Gold für den Absinthe Brevans A.O. Spare geholt


15.09.2009 : In eigener Sache

Best of Whisky - Made in Switzerland

Unter dem Namen „Best of Whisky - Made in Switzerland“ hatte das Schweizer Schnaps Forum am 8.9.09 zu einem exklusiven Anlass in der Wirtschaft Neumarkt in Zürich eingeladen. Erstmals wurden 19 verschiedenen Schweizer Whiskys gemeinsam verkostet und miteinander verglichen. 11 Schweizer Whisky-Hersteller präsentierten rund vierzig Besuchern ihre Produkte. Dabei zeigte sich eine grosse Aromenvielfalt und - im Vergleich zu schottischen Whiskys - eine interessante Eigenständigkeit. Mit Hilfe der Besucher wurde eine Aromenkarte erarbeitet, in welche 11 Whiskys nach 4 Aromatypen - vegetabil, blumig/fruchtig, würzig und nussig/Röstaromen - eingeteilt wurden (siehe Aromakarte). Der Vorstand des Schweizer Schnaps Forums betrachtet den Anlass, der etwas mehr Öffentlichkeit verdient hätte, als grossen Erfolg.

Wenig begeistert zeigt man sich beim Schweizer Schnaps Forum über die einseitige Berichterstattung über den Whisky-Anlass in der „NZZ am Sonntag“ vom 13. 9.09. Nach Meinung des SSF hat der Autor eine grosse Chance verpasst, in seinem Artikel vertieft auf das Thema Schweizer Whiskys einzugehen und der Anlass selber, immerhin der erste dieser Art in der Schweiz, wurde mit keinem Wort erwähnt. Schade.

Wir wollen Ihnen den Artikel von Peter Keller jedoch nicht vorenthalten :

Artikel NZZ am Sonntag, 13.09.2009


1. Edelbrandfestival 2009 - 19. / 20. September 2009
Nach dem Rendezvous der Weinliebhaber am WeltWeinFestival in Bad Ragaz vereinen sich im September die Spitzenbrenner zum 1. Edelbrandfestival im Grand Resort Bad Ragaz.

Destillate Höhenflüge, kulinarische Extravaganzen und anregende
Fachgespräche mit den besten Brennern der Schweiz.


Auszug aus zwei Artikeln im Tages Anzeiger vom 8. Aug. 2009

Junge Schweizer trinken doppelt soviel Wodka wie früher (ahi/rba)
und
An Partys wird Wodka getrunken wie wild (Alex Hämmerli)

Zürich. - Die Street Parade steht vor der Tür: Und auch dieses Jahr dürfte auf Zürichs Strassen der Alkohol wieder in Strömen fliessen. Einen beträchtlichen Anteil daran werden der Wodka und der immer beliebter werdende Wodkaliqueur haben. Dieser ist besonders bei jungen Männern, aber auch bei vielen jungen Frauen im Trend : Wodka ist günstig und lässt sich einfach mixen.
Importeure sprechen von einem regelrechten Boom : Die jährlichen Zuwachszahlen liegen im zweistelligen Prozentbereich. Von 2002 bis 2008 hat sich der Absatz verdoppelt. In den Nachtklubs zeigt der Marketingaufwand, den Produzenten und Importeure in den vergangenen Jahren betrieben haben, seine volle Wirkung : eine Magnumflasche am privaten Tisch gilt mittlerweile als Statussymbol für welches so mancher junger Partygänger einen Grossteil des Monatslohns auszugeben bereit ist.
Für die Zürcher CVP-Nationalrätin Kathy Riklin ist der Run auf Wodka der Jungen vor allem eine Reaktion auf die Verteuerung der Alkopops. «Wodka ist der billigste Alkohol, riecht nach nichts und eignet sich deswegen am besten zum Mischen.» Bedenklich sei, dass es den Jungen ausschliesslich um die Wirkung des Alkohols gehe - «mit Genuss hat das nichts zu tun».
Riklin, Mitglied der nationalrätlichen Bildungskommission, schlägt vor, hochprozentige Alkoholika aus den Regalen der Shops zu verbannen, die abends spät noch offen haben wie etwa Bahnhöfe oder Tankstellen : Eine Verteuerung von Wodka wäre bloss eine kurzfristige Massnahme, sagt Riklin. «Dann würde einfach ein anderer billiger Fusel zum Mischen genommen.»

«Der Konsument hat ganz einfach wieder damit begonnen, die Getränke selbst zu mischen. Dies ist eine klare Reaktion auf die Verteuerung der Alcopops.»

Tiefe Wodkapreise
Eine vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Auftrag gegebene Erhebung aus dem vergangenen Jahr stützt diese Argumentation. «Statt fertig gemixte Alcopops werden unter jungen. Erwachsenen (16 bis 26 Jahre) zunehmend selbstgemischte Getränke auf Wodkabasis konsumiert», schreiben die Studienautoren der Fachhochschule der Nordwestschweiz. Gemäss Studie hat das Selbermischen für die Jugendlichen zwei ausschlaggebende Vorteile gegenüber Alcopops; «Zum einen ist es günstiger, was gerade bei jüngeren sehr wichtig ist.» Im Coop beispielsweise kostet eine Literflasche Wodkaliqueur mit 25 Volumenprozent lediglich 10 Franken.
Für BAG-Sprecherin Mona Neidhart ist das eine bedenkliche Sache : «Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit sind die Preise für Spirituosen sehr tief. Gerade Jugendliche sind diesbezüglich sehr empfänglich», kritisiert sie.
Der zweite, nicht minder gewichtige Vorzug von Mixgetränken liegt gemäss BAG-Studie darin, dass diese sowohl im Geschmack als auch beim Alkoholgehalt individuell gesteuert werden können. Die Befragung der Jugendlichen ergab, dass Wodka mit grossem Abstand das beliebteste Mixgetränk ist. 59 Prozent der Studienteilnehmer geben an; dass sie ihn «häufig bis immer» benutzen, um alkoholische Getränke selber zu mischen, (siehe Grafik). Dieser Wert ist bei den 19- bis 20-jährigen am höchsten und nimmt danach kontinuierlich ab.

Auslandswerbung wirkt auch hier
Auf den Wodka folgen Whisky und Passoa, ein auf Passionsfrucht basierender Liqueur, der besonders bei Frauen beliebt ist. Die Eigenkreationen, so die Studie weiter, würden vornehmlich auf privaten Partys sowie im Ausgang getrunken. Zum Erfolg von Wodka oder Wodkaliqueur dürfte die auffällige Vermarktung im Ausland beigetragen haben. Die Werbung in der Schweiz ist auf Grund der hiesigen Gesetzeslage stark eingeschränkt, die Kampagnen aus dem Ausland wirken sich aber auch auf die Schweizer Konsumenten aus. «Leute fragen heute an der Bar, explizit nach gewissen Marken», so Camparimann Roder. Yven Vogel vom Indochine beobachtet ebenfalls die Entwicklung von Wodka zum Szenegetränk: Anstelle des Champagners bestelle man heute eine Flasche Wodka.


Kallnach, 20. Juli 2009

PRESSEMITTEILUNG

Gold und Best in Class am IWSC 2009 London
Bei der diesjährigen International Wine and Spirits Competition gewann Oliver Matter mit Absinthe Brevans A.O. Spare die Gold Medaille mit Best in Class Wertung.

Oliver Matter spezialisiert sich seit der Übernahme der Brennerei Matter-Luginbühl auf die Reproduktion von alten Absinthrezepturen. Auf der Basis von historischen Rezepten entstehen authentische Absinthe, hergestellt aus feinsten Kräutern. Die meisten davon sind bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet worden.

Seit 2005 arbeitet er mit Markus Lion von absinthe.de, einem der renommiertesten internationalen Absinthehändler und Kunstkennern zusammen. Durch die Verwendung von zeitgenössischer Kunst für die Etiketten wird ein dynamischer Bogen in die Zeit der Belle Epoque gespannt.

Absinthe Brevans A.O. Spare zeichnet sich durch seine Geschmeidigkeit aus. Ein zarter Schmelz aus verschiedenen Noten von Wermut, Anis, Fenchel und weiteren Kräutern macht sich unheimlich lange im Gaumen breit und ist ein Genuss besonderer Güte. Die gewonnene Medaille und Best in Class Auszeichnung am diesjährigen International Wine and Spirit Competition in London bestärkt uns darin, unsere Absinthes auch in Zukunft weiterzuentwickeln.


 Tages-Anzeiger, 29. Juni 2009

Vogelbeeren in Gelée, im Schnaps und im Kuchen

Rezepte mit Vogelbeeren lassen sich nicht häufig finden, der Respekt vor den Früchten, die rot wie Gefahrensignale leuchten, scheint beinahe unüberwindbar zu sein. Alte Völker wie die Germanen haben die Eberesche verehrt, etwa als Baum des Lebens. Bis «. . . die offizielle Kirche den Baum der Kelten, Hexen und Druiden für giftig erklärte und der Verehrung ein Ende setzte», wie Gisula Tscharner und Heinz Knieriemen im Buch «Hexentrank und Wiesenschmaus» schreiben.
Von der Verehrung von einst ist wenig geblieben, aber nicht aus dogmatischen Gründen, vielmehr sind die spirituellen Werte der Vogelbeere pragmatischem Nutzen gewichen - auch wenn immer noch viele Menschen überzeugt sind, die Beeren seien giftig. Das sind sie nicht, sie sind aber für manchen Gaumen geschmacklich zu ruppig und für manches Gekröse zu unheilvoll.
Wer herbe Aromen schätzt, findet an der Vogelbeere Gefallen. Man kann sie einkochen wie Preiselbeeren und zu Wildgerichten reichen. Man kann auch eine Konfitüre machen, das ist dann eine Frage der Zuckerung. Man kann einen Sud kochen nach Pfarrer Künzle (gegen Heiserkeit) oder die getrockneten Beeren in eine Teemischung geben. Exklusiv und entsprechend teuer ist Vogelbeerschnaps, denn die eingemaischten Früchte geben wenig Saft her.
Martin Müller, ehemaliger F&B-Manager im Waldhotel Sils und heute im Wohnhotel Wolf in Zuoz tätig, hat vor sieben Jahren aus der Not heraus angefangen, sich mit Vogelbeeren zu beschäftigen. Nachdem die Vögel die Beeren im Gebiet seines damaligen Tiroler Lieferanten komplett aufgefressen hatten, fiel Müller auf, dass es im Engadin aus allen Winkel rot leuchtete. «Wir sammelten 200 Kilo Vogelbeeren», erzählt er. Lorenz Hurnbel in Stetten brannte damit knapp acht Liter Schnaps. Im Jahr 2003 gab es wenig Beeren, 2004 wurde der Vogelheergeist zum Schnaps des Jahres gewählt, 2005 gab es 800 Kilo, 2006 gar 1,2 Tonnen, 2007 und 2008 fast gar nichts. «Wir müssen nicht unbedingt jedes Jahr brennen», sagt Müller, «die Vögel sollen ja noch etwas zu fressen haben.»
Auch Müller schätzt Vogelbeer-Chutney oder Apfel-Vogelbeer-Gelee zu Wild. Die Beeren pflückt man am besten nach dem ersten Frost, dann haben sie schon einmal eine erste Portion Bitterkeit verloren (wer nicht warten will, setzt die Tiefkühltruhe ein). Um weitere Bitterstoffe zu verlieren, kocht man die Beeren auf, schüttet das Wasser ab, wiederholt den Vorgang. Wichtig ist, die Beeren, nicht zu stark zu quetschen, denn aus zerdrückten Samen entweichen starke Bitterstoffe. Empfehlenswert ist die traditionelle Methode der Portweinwinzer; die mit nackten Füssen die Trauben treten. Der Fuss ist das beste Werkzeug, er ist empfindsam und lässt sich feiner beherrschen als ein Stück Holz. (imh)

Karottenkuchen mit Vogelbeeren
Vogelbeeren lassen sieh aber auch in feste Formen einbinden, wie das Rezept von Jean-Marie Dumaine illustriert (Kochen mit Wildpflanzen, AT-Verlag):
4 Eier mit 350 g Zucker schaumig, rühren; 1/4 L Sonnenblumenöl dazugeben, dann 350 g Weizenmehl; 500 g Karotten (geschält und geraspelt), 1 EL Backpulver, 1 TL Meersalz,
1 EL Wildmöhrensamen und 100 g getrocknete Vogelbeeren darunterheben. Den Teig, in eine gebutterte Kastenform füllen und im Backofen bei 180°C 40 Minuten backen.


Ende Mai 2009

Bodensee : Schnaps international
Die 6. Bodensee-Schnapsverkostertage im Kurhotel Walzenhausen sind Geschichte. 70 Teilnehmer aus der Schweiz, Österreich, Deutschland, England und Schweden nahmen an der zweitägigen Veranstaltung teil. Die Organisatoren Arthur Nägele und Peter Dürr, Mitglieder des Schweizer Schnaps Forums, konnten den Teilnehmern eine Vielzahl interessanter Themen anbieten. Sie wurden in einem Dutzend Workshops präsentiert. Themen waren unter anderem die Grundlagen der Degustation, Fehler in Bränden, Rum, Brandy und Cognac, Vodka und Gin, Absinth, Marketingfragen oder Sonderthemen wie Kaffee und Edelbrände und Käse und Edelbrände. Eine Neuerung an den diesjährigen Schnapsverkostertagen bildeten zweistündige Seminare für Brenner, in denen auf die Probleme bei der Erzeugung von Fruchtbränden, von Absinth sowie bei der Herstellung von Vieilles-Produkten und Likören eingegangen wurde. Auf grosses Interesse stiess das «Swiss Whisky Tasting», während das ausgezeichnet präsentierte Thema «Quo vadis Kirsch?» leider nur geringes Echo fand.

Weitere Höhepunkte
Die Schnapsverkostertage boten auch diesmal wieder eine faszinierende Mischung von neuen Ideen, traditionellem Handwerk, Knowhow und High-Tech. Pièce de résistance der Veranstaltung war der erstmals durchgeführte Prämierungsworkshop am Freitagnachmittag. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin konnte drei Spirituosen zur Beurteilung einreichen und anschliessend in der Jury, welche diese Produkte verkostete, Einsitz nehmen.
Wiederum stand vor dem Kurhotel Walzenhausen die topmoderne mobile Brennerei der Eidgenössischen Alkoholverwaltung im Einsatz. Unter den interessierten Augen von Teilnehmern und Teilnehmerinnen sowie zum Vergnügen der Kurgäste wurden ein Maisbier für einen Rheintaler Maiswhisky sowie Säntis-Malzbier für einen Malzbierbrand destilliert. «Bierbrand ist etwas für Bierliebhaber mit Blasenschwäche», erklärte ein Zuschauer, «er riecht wie Bier, er schmeckt wie Bier, man geniesst ihn jedoch nur in ganz kleinen Schlücken !»


13. März 2009
Destillata-Ergebnisse 2009

An der Destillata 2009 in Wien hat unser Mitglied Thomas Heiner 13 Auszeichnungen errungen, darunter den Titel eines „Schnaps des Jahres“ für einen sortenreinen Kirsch „Dolleseppler“ sowie eine Goldmedaille für einen Sauerkirschenbrand „Weichsel“.

Dollenseppler 2008
Beurteilung: Elegantes Bouquet von frischen Kirschen, passend dezentem Stein und zarten Schokonoten; harmonisch und gut balanciert; gute Länge im Ausklang.
Vol %: 40
Wertung: 18
Medaille: SDJ

Weichsel 2008
Beurteilung: Intensive, typische und gut strukturierte Bittermandel-Aromatik; am Gaumen elegant und dicht; schlank aber ausgeprägt fruchtig und harmonisch im Ausklang.
Vol %: 40
Wertung: 19
Medaille: Gold

Ausserdem wurde heiner’s Destillate, zusammen mit 11 weiteren Betrieben aus 5 Ländern, in den Kreis der Auserwählten Destillerien 2009  - dem internationalen Elitekreis der besten Brenner - aufgenommen.

heiner’s Destillate
Thomas Heiner
Fuchsloch 18
6317 Oberwil bei Zug
www.heiners-destillate.ch
info@heiners-destillate .ch

Weitere Schweizerbetriebe mit Auszeichnungen sind :

Arnold Dettling AG
Olympstraße 10
6440 Brunnen
www.dettling.ch
andrea.baumgartner@dettling.ch

Liqueurs Artisanales Schneiter
Rue du 23-Juin 24
2830 Courrendlin
www.liquart.ch
info@liquart.ch



 

Kirsch und Fondue

Die Sonntagszeitung hat
"Brandneue Erkenntnisse"

Sonntagszeitung, 15. Feb. 2009

 

  Oliver Matter, a Swiss distiller in Kallnach who makes Mansinthe.

A Swiss Village Has Peace, Quiet and a Product Endorsed by Marilyn Manson

By JOHN TAGLIABUE

KALLNACH, Switzerland
— Few people in this quiet village of quaint chalets know the album “Eat Me, Drink Me,” by Marilyn Manson,the shock rocker. But almost everyoneknows his taste for absinthe.


Den ganzen Artikel vom 28. Januar 2009 finden Sie HIER

 


SonntagsZeitung, 16. Nov. 2008

Hochgradiger Hochstamm.

Ausgezeichnet: der Brenzer Kirsch von Lorenz Humbel

Brenzer ist ein Synonym für alte Kirschensorten von Hochstammbäumen. Die schwarzen, aromatischen Früchte prägen den Gout des typischen Schweizer Kirschs und sind wie alle Hochstämmer von der Ausrottung bedroht. Innovative Brenner wie Lorenz Humbel in Stetten, Arnold Dettling in Brunnen und die Bauernhofbrennerei Röllin in Baar haben sich für den Brenzer Kirsch stark gemacht, der Förderkreis Slow Food Schweiz hat seine Unterstützung angeboten: «Wenn wir mithelfen können, über ein qualitativ hochstehendes Erzeugnis die Hochstammkulturen zu erhalten, dann sind wir dabei.» Diese Produkte sind nun gediehen und mit dem Slow-Food-Label, bei Coop erhältlich (je 39.90 Fr). Was mit den Früchten möglich ist, zeigt auch der Brenzer von Lorenz Humbel, der vom Schweizer Schnaps Forum in der Kategorie Kirsch zum «Schnaps des Jahres» gekürt worden ist.
                                               KARIN OEMIGEN

www.humbel.ch
www.schnapsforum.ch

Echo Schnapsprämierung 2008 - weitere Presseartikel, pdf im Schweizer Bauern


Zürich, 1. Sept. 2008

Neuer Vorstand beim Schweizer Schnaps Forum
An der Generalversammlung vom 28. August 2008 haben die Mitglieder einen neuen Vorstand gewählt. Neuer Präsidenten wurde Patrik Zbinden, Rüschlikon, neuer Kassier Klaus Christen, Kerzers. Die beiden bisherigen Vorstandsmitglieder Gabriela Perret und Hansjürg Zehnder, beide Wädenswil, wurden von der Versammlung bestätigt.
Die drei abtretenden Vorstandsmitglieder Rita Büchel, Stefan Keller und René Zimmermann wurden von den Mitgliedern mit Applaus verabschiedet.

Patrik Zbinden ist gelernter Maschinenmechaniker. Nach der Lehre absolvierte Zbinden eine Handelsschule, eine Managementausbildung sowie verschiedene Fachkurse im Ernährungsbereich. An der Journalistenschule lernte er schliesslich, wie man Essthemen journalistisch umsetzt. Heute arbeitet Zbinden als Food-Journalist für verschiedene Medien, z.B. als redaktioneller Mitarbeiter für Radio und Fernsehen DRS.

Dr. Klaus Christen ist promovierter Chemiker. Er leitete bis zu seiner Pensionierung (2008) das chemische Labor der Eidg. Alkoholverwaltung in Bern.


Tages-Anzeiger, 28.07.2008

Mehr Schnaps im 2007

Die Bevölkerung in der Schweiz hat 2007 pro Kopf 8,8 Liter reinen Alkohols konsumiert, zwei Deziliter mehr als im Vorjahr.
Die Spirituosen zu 40 Volumenprozenten legten dabei um einen Deziliter auf vier Liter zu, wie die Eidgenössische Alkoholverwaltung (EAV) am Montag mitteilte. International liegt die Schweiz damit im Mittelfeld.
Die Gesamtrechnung unterstreiche die steigende Tendenz mit dem Mehrkonsum an Wein, Obstwein und Bier, schreibt die EAV. Im vierten Jahr in Folge liege der Gesamtverbrauch aber unter der Grenze von neun Litern reinen Alkohols pro Kopf der Bevölkerung. Mit 8,8 Litern lag der Wert noch klar darunter, allerdings zwei Deziliter höher als im Jahr 2006. Die Statistik gebe keine Auskunft über den schädlichen Alkoholkonsum einzelner Bevölkerungs-gruppen, betont die Verwaltung. Im internationalen Vergleich liege die Schweiz im Mittelfeld.
Der Pro-Kopf-Konsum von Spirituosen allein stieg im Berichtsjahr von 3,9 auf vier Liter zu 40 Volumenprozenten an. Dem Wert zu Grunde liegt ein Gesamtkonsum von 120.272 Hektolitern Spirituosen zu 100 Volumenprozenten beziehungsweise reinen Alkohols. Dies sind 3,6 Prozent mehr als im Jahr 2006.
Laut EAV mussten die inländischen Spirituosen-Produzenten zudem im vergangenen Jahr einen weiteren Produktionsrückgang hinnehmen. So sank die Menge reinen Alkohols hier um 3,5 Prozent oder 559 auf 15.551 Hektoliter. Betroffen war vor allem der inländische Spezialitätenbrand aus Kirschen, wo die Menge um fast 45 Prozent auf 1.881 Hektoliter reinen Alkohols zurückging. Entsprechend verstärkte sich die Dominanz ausländischer Spirituosen weiter: Absoluter Spitzenreiter war mit 18.380 Hektolitern reinen Alkohols erneut der Whisky, der damit allein die gesamte Inlandproduktion übertraf. Der Wodka legte um 6,5 Prozent zu.
Insgesamt wurden 78.662 Hektoliter reinen Alkohols in Form alkoholischer Getränke in die Schweiz eingeführt. Der Export stieg zugleich erstmals über die Grenze von 3.000 Hektolitern. Besonders zulegen konnte der 2005 legalisierte Absinth, wo sich die Ausfuhren mit 291 Hektolitern reinen Alkohols im Vergleich zum Vorjahr vervierfachten.


Bern 30.01. und 10.06.2008

Neue Leitung bei der Eidg. Alkoholverwaltung

Der Bundesrat hat bereits anfangs Jahr Alexandre Schmidt zum Direktor der Eidg. Alkoholverwaltung EAV ernannt. Schmidt, bisher Persönlicher Mitarbeiter von Bundesrat Hans-Rudolf Merz, folgt auf Lucien Erard, der nach 40jähriger Tätigkeit für den Bund seinen altersbedingten Rücktritt per 31. Mai 2008 eingereicht hat.
Schmidt ist Generalist mit eingehender Erfahrung in der Politikgestaltung und -beratung sowie in Strategiefragen. Er schloss sein Studium am Institut Universitaire des Hautes Etudes Internationales in Genf mit dem Lizentiat in internationalen Beziehungen ab und bildete sich am Institut des Hautes Etudes en Administration Publique, Lausanne, zum Master in Verwaltungswissenschaften weiter. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

Am 10. Juni hat der Bundesrat Fritz Etter zum neuen Vizedirektor der Eidg. Alkohol-verwaltung ernannt. Etter folgt auf Christoph Zurbrügg, der vorzeitig als Vizedirektor EAV zurücktritt, und verfügt über eine langjährige Erfahrung im nationalen und internationalen Brennereiwesen. Er leitet heute bei der EAV den Bereich Produktion, Fiskalität und Kontrolle und ist in dieser Funktion auch zuständig für die Branchenkontakte und die Beziehungen zu den nationalen und internationalen Branchenorganisationen sowie den jeweiligen ausländischen Amtsstellen, welche sich mit Spirituosen befassen.
Etter ist ursprünglich diplomierter Landwirt und besitzt zusätzlich eine Ausbildung als Kaufmann. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsenen Kinder.

Die Leitung der EAV wird sich in den nächsten Jahren grossen Herausforderungen stellen. Das von 1932 datierende Alkoholgesetz wird völlig überarbeitet und die Stellung des Profitcenter Alcosuisse neu positioniert. Bei der Besteuerung und der Kontrolle sind diverse Vereinfachungen zu planen und auch umzusetzen.


Tages-Anzeiger vom 8. Mai 2008

Wie sich der Zauber der grünen Fee verflüchtigte

Der Kräuterschnaps Absinth enthält kaum psychoaktive Substanzen - nur viel Alkohol

Sebastian Herrmann

Absinth ist von Legenden umgeben. Wer nur genug von dem Kräuterschnaps trinke, dem ergehe es wie einst Oscar Wilde, Vincent van Gogh, Paul Gauguin oder Henri de Toulouse-Lautrec, heisst es oft. Dem erscheine die grüne Fee und stimuliere ihn zu kulturellen Höchstleistungen.
Als Auslöser der Bewusstseinsveränderung galt lange Zeit der Stoff Thujon, der aus Wermutkraut gewonnen wird. Doch eine Analyse alter Flaschen zeigt nun : Absinth, der im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts getrunken wurde, enthält fast kein Thujon («Journal of Agricultural and Food Chemistry», online). Das einzige psychoaktive Gift der grünen Fee sei Alkohol gewesen, sagen Wissenschaftler um Dirk Lachenmeier vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Karlsruhe. Davon enthält Absinth aber reichlich.
Das Rezept für den Schnaps aus Wermut, Fenchel, Anis und weiteren Kräutern stammt ursprünglich aus dem Val-de-Travers. Wegen der angeblichen Folgen übermässigen Konsums wurde Absinth 1910 in der Schweiz und 1915 in Frankreich verboten. Absinthiker litten angeblich an Wahnvorstellungen, Krämpfen oder verloren ihr Augenlicht. Daran sei die hohe Thujon-Konzentration schuld gewesen, die etwa der britische Suchtforscher John Strang 1999 im «British Medical Journal» unter Berufung auf historische Quellen mit 260 Milligramm pro Liter angab - viel zu viel wie sich nun zeigt.
Lachenmeier und David Nathan-Meister, der ein Online-Absinth-Museum betreibt, fahndeten für ihre Studie nach alten Absinth-Flaschen. Der Schnaps musste vor 1915 abgefüllt worden sein. «Wir haben nur Flaschen genommen, die versiegelt waren und noch ein Etikett hatten», sagt Lachenmeier. Fündig wurden sie unter anderem in Schweizer Kleinkellern, in Frankreich und den USA. Den Schnaps hatten Absinth-Freunde eingelagert, als sich ein Verbot der Spirituose abzeichnete.

Keine Abbauprodukte gefunden
Für die Studie analysierte Lachenmeier den Inhalt von 13 Flaschen. Im Schnitt enthielten diese nur 25,4 Milligramm Thujon je Liter. Die Marke mit dem höchsten Thujon-Anteil hatte einen Gehalt von 48,3 Milligramm pro Liter, die mit dem geringsten 0,5 - viel weniger also als die oft zitierten 260 Milligramm pro Liter. Dass sich die Substanz im Laufe der Jahre abgebaut hat, schliesst Lachenmei.er aus. «Thujon ist sehr stabil, und wir haben keine Spuren von Abbauprodukten gefunden.»
Seit 1998 wird in vielen europäischen Staaten wieder Absinth verkauft. In der Schweiz ist die Herstellung und der Verkauf des Kräuterschnaps seit 2005 wieder erlaubt. Dabei darf Absinth maximal 35 Milligramm Thujon je Liter enthalten. Das wäre etwa so viel Thujon wie vor knapp 100 Jahren. Ist die grüne Fee also noch am Leben?
Die psychoaktive Wirkung von Absinth und Thujon sei schon immer ein Märchen gewesen, sagt Lachenmeier. Begründet wurde dieses, als man im 19. Jahrhundert Tieren Wermutöl verabreichte. Dieses enorm konzentrierte Thujon habe bei den Versuchstieren meist tödliche Krämpfe ausgelöst. Aber für einen reinen Thujon Rausch müsse man weit mehr als 260 Milligramm zu sich nehmen. Das ist angesichts des enormen Alkoholgehalts von Absinth praktisch unmöglic


Romano Levi ist tot

Der berühmte Grappa-Brenner Romano Levi ist an seinem Wohnort Neive (Piemont) am 2. Mai 2008, achzigjährig, gestorben. Levi war weniger bekannt für die Qualität seiner Grappas, dafür umso berühmter für seine unverkennbaren, handgemalten Flaschen-Etiketten. Diese sind heute gesuchte Sammlerstücke. Viele dieser Etiketten zeigen die weibliche Strichfigur „Donna Selvatica“. Auf anderen finden sich Reime oder Sprüche. Der wohl bekannteste Spruch lautet : Siamo angeli con un’ala sola. Possiamo volare solo restando abbracciat (Wir sind Engel mit nur einem Flügel. Wir können nur fliegen, wenn wir uns umarmen).
Grappaqualität hin oder her, Levi war Italiens bekanntester Brenner und kannte viele berühmte Leute. Nicht weil er ihre Bekanntschaft suchte, es war gerade umgekehrt. Einige soll er auch schon weggeschickt haben, wenn sie ihm nicht passten. Man erzählt, dass Fiat-Besitzer Agnelli vergebens bei ihm anklopfte. Levi war ein schlechter Geschäftsmann. Eine Flasche seines Grappa (incl. Etikette) kostete nicht viel. Man bekam jedoch nicht mehr als eine Flasche aufs Mal. Umso teurer werden sie wohl nun gehandelt werden.


Destillata 2008

Sonntagszeitung, 6. April, 2008

Gold für Alpwhisk

Freude und Frust an der Destillata 2008

 An grossen Brennern und Bränden fehlt es hier zu Lande nicht. Bisweilen aber am Ruhm. Von den 166 Goldmedaillen, die an der Destillata, der wichtigsten europäischen Schnapsprämierung, vergeben worden sind, ging nur eine an ein hiesiges Produkt: an den Alpwhisk® Swiss Single Chestnut von schnaps.ch.
Die Chestnuts – deutsch: Kastanien – stammen aus dem Val Bregaglia. Sie wurden auf traditionelle Weise rauchgetrocknet, von der Spezialitätenbrennerei Humbel in Stetten destilliert und in Kastanien- und Eichenholzfässern ausgebaut. In den letzten Monaten ruhte der Alpwhisk® in einer für die Süssweinproduktion verwendeten Barrique der Walliser Winzerin Marie-Thérez Chappaz. Rund 800 Flaschen sind jetzt im Verkauf (zu je 100 Fr.).
Infos über www.schnaps.ch und www.humbel.ch.

KARIN OEHMIGEN


NZZ am Sonntag, 6. April 2008

Feenzauber

Seit es sie gibt, fasziniert sie, die «grüne Fee» aus dem Val de Travers.1908 beschloss das Schweizer Stimmvolk, das grünlich-milchige Lieblingsgetränk der Bohème zu verbieten. Daraufhin geisterte das «Absinth-Verbot» so lange durch die Bundesverfassung, bis der Schnaps aus der Wermutstaude am 1. März 2005 legalisiert wurde. Seither erlebt die «grüne Fee» im Val de Travers eine Renaissance. Mitunter in süssester Form: Der Chocolatier Jacques Perrenoud aus Fleurier (NE) zaubert kleine, weisse Schokoladen-Kompositionen, die er mit Marzipan, Bittermandeln, Pistazien und 5 Prozent Absinth anreichert. Einmal geöffnet, leert sich die Schachtel mit den «Chocolats douceur des fees» wie von selbst. Das ist echter Feenzauber. (chu.)

Chocolat douceur des fees. Erhältlich z. B. bei Chocomotion, Marktgasse 9, 8001 Zürich. www.choco-feeverte.com


Anfangs März 2008

Schweizer Schnaps Forum intensiviert Verkostertrainings

Um bei der kommenden Schnapsprämierung 2008 die eingegangenen Schnapsproben noch besser beurteilen zu können, führt das Schweizer Schnaps Forum drei Verkoster-trainings durch.
Unter der Leitung von Frau Sonia Petignat, Agroscope Wädenswil, finden vor der Prämierungsverkostung zwei Trainings statt, je eines im Juni an der Agroscope in Wädenswil und eines im August an der Eidg. Alkoholverwaltung in Bern.
Damit die Verkoster aber auch für weitere Prämierungen gewappnet sind, wird zudem ein zusätzliches Training im Oktober angeboten.

Die Trainings sind gratis und für jederman offen. Sie finden an den folgenden Tagen statt :

  • Samstag, 28. Juni, Agroscope, Wädenswil
  • Dienstag, 19. Aug., Alkoholverwaltung, Bern
  • Freitag, 24. Okt., Agroscope, Wädenswil

Die Teilnehmer an der Prämierungsverkostung vom 4./5. Sept. 2008 in Bern sollen an mindestens einem Training teilgenommen haben.

Eine Anmeldung zu diesen Trainings an das
Sekretariat Schweizer Schnaps Forum, c/o Ursula Frei, Pfannenstilstr. 18, CH-8820 Wädenswil/ZH; Tel: 044 780 63 66
ist zwingend.


Anfangs Oktober 2007

2008 wieder Schnapsprämierung des Schweizer Schnaps Forums

2007 hatte das Schweizer Schnaps Forum aus organisatorischen Gründen seine jährliche Schnaps Prämierung ausgesetzt, um im nächsten Jahr zusammen mit dem Forum Romand des Eaux-de-Vie eine nationale Schnapsprämierung durchzuführen. Nun hat das Forum Romand jedoch überraschend beschlossen, auch weiterhin nur alle zwei Jahre eine Prämierung zu organisieren und diese in regionalem Rahmen abzuhalten. Diese Entscheidung hat den Vorstand des Schweizer Schnaps Forums bewogen die Angelegenheit nochmals zu überdenken. An der Generalversammlung vom 23. August 2007 haben die Anwesenden mit grosser Mehrheit beschlossen die Prämierungen weiterhin durchzuführen. Die nächste Schnapsprämierung ist für den Spätsommer 2008 geplant. Die Eidg. Alkoholverwaltung (EAV) wird dem Schweizer Schnaps Forum die notwendige Infrastruktur für eine Prämierung zur Verfügung zu stellen.
Das Schweizer Schnaps Forum wird über die weiteren Abläufe informieren, sobald die Termine fixiert sind.


Die Südostschweiz, 22. Sept. 2007

Der Schnapskönig von Maienfeld

Der Maienfelder Martin Kunz ist einmal mehr für seine Edelbrände ausgezeichnet worden. Distiswiss verlieh ihm den Titel «Ostschweizer Destillateur des Jahres 07/08». Sein Geheimnis: Geduld und Genauigkeit.

Von Barbara Wülser

Maienfeld. – Martin Kunz steht, die Hände in den Hosentaschen, vor seiner Brennanlage. Die Maschine arbeitet.Er neigt den Oberkörper vor und blickt durch eine kleine, runde Glasscheibe ins hell erleuchtete Innere der kupfernen, zylinderförmigen Röhre.Gasförmiger Alkohol steigt durch die Verstärkerkolonne auf, Wasser tröpfelt hinunter. Was das Geheimnis seines Handwerks sei? Der mehrfach ausgezeichnete Schnapsbrenner zieht eine Hand aus der Hosentasche und reibt versonnen am Ohrläppchen. «Geduld, genaues Arbeiten vom Anfang bis zum Schluss und innere Ruhe.» Die komme mit dem Alter, sagt der 58- Jährige. Die Hand verschwindet wieder unter der schwarzen Winzerschürze. «Martin» steht auf Brusthöhe mit rotem Faden eingestickt. Einer der fünf besten Brenner. Die unzähligen Kronen an der Wand in der Brennerei in Maienfeld, Auszeichnung vom Schweizer Schnaps-Forum, sind der Beweis, dass Martin Kunz sein Handwerk versteht. Himbeeren, Röteli,Vieille Prune,Williams, Kürbis, Rüebli, Tomate, Schlüsselblume, Absinthe steht da beispielsweise. Nun folgte noch die Krönung, die Auszeichnung von Distiswiss als «Ostschweizer Destillateur des Jahres 07/08». Der Maienfelder gehört damit zu den fünf besten Destillateuren der Schweiz. Versteht sich fast von selbst, dass alle zurVerkostung eingereichten Destillate ausgezeichnet wurden: Grappin, Williams, Quitten, Himbeeren und Bärlauch mit einer Goldmedaille; Kirsch, Marc vom Eichenfass, Grappina, Absinthe Ariane und Rüebli mit einer Silbermedaille. Es klingelt. Martin Kunz wirft einen Blick auf das Display, das im Steuerkasten an der Wand eingelassen ist. «Alkohol 90%», steht in der untersten Zeile. Der Brenner stellt sich neben den Ausguss am unteren Ende des Geistrohrs. Nach einer Weile fällt der erste Tropfen. Der Vorlauf rinnt über eine Wippe in einen Chromstahlzylinder. Der Schwimmer steigt langsam an und kippt die Wippe nach vorn. Nach mehr als einer Stunde rinnt der erste Strahl Mittellauf in den bereitgestellten Chromstahlkessel. «Alkohol 70%». Es riecht nach Butter und Birne. Der Computer regiert die Maschine. Einmal ermittelt, stellt Martin Kunz für jedes Brenngut die spezifischen Daten ein. Jeder Brenner habe seine eigene Brennkurve. «Entscheidend für die Qualität ist, wie schnell sie fällt», erklärt Martin Kunz, der sich seit einem Unfall vor zwei Jahren vorwiegend um die Schnäpse kümmert, während Tochter Carina Kunz den Weinkeller besorgt. Die zweiseitige Schaubrennerei mit einem Fassungsvermögen von je 250 Kilogramm ist eine Massanfertigung. Zuvor brannte Martin Kunz mit einer mobilen Anlage während 30 Jahren Schnäpse von Vaduzbis Chur, wie er sagt. Nur nasse Socken fehlen noch. Martin Kunz ist bekannt für seinen Erfindergeist. Er bringt immer wieder neue Destillate hervor. Manche behaupten, es gebe nichts, das er nicht schon gebrannt habe – ausser nasse Socken. Er wisse nicht, was er noch brennen könnte, so Martin Kunz. «Ich sage immer, ich höre auf mit neuen Sachen.» Plötzlich aber komme ihm wieder etwas in den Sinn. Aber jetzt reiche es. Er setzt sich auf den Bürostuhl neben dem Steuerkasten. Für dieses Jahr jedenfalls. Es klingelt. Martin Kunz blickt zum Display, dann zum Geistrohr. «Klack!» Der Strahl versiegt. Es dauert eine Weile, bis der Nachlauf aus dem zweiten Röhrchen in den Kupferkessel rinnt.

Schaubrennen für alle
Maienfeld. – Heute von 9 bis 16 Uhr können Interessierte dem «Ostschweizer Destillateur des Jahres 07/08» über die Schulter schauen. Martin und Margrit Kunz-Keller öffnen die Türen im Unteren Gugelberghaus in Maienfeld der Öffentlichkeit. An einer Duftbar können ausserdem über 30 teils ausgefallene Destillate wie Bärlauch, Quitte oder Schlüsselblume sowie Liköre und Vieille-Produkte erschnuppert und degustiert werden. (bra)


Anfangs Juli, 2007

Die Schnaps-Expertise: ein neues Angebot des Schweizer Schnaps Forums

Das Schweizer Schnaps Forum bietet allen Brennern und Schnapsproduzenten neu die Möglichkeit, ihre Produkte auch unter dem Jahr von einer Fachjury beurteilen zu lassen. Benotung und Kommentar geben dem Einsender wertvolle Anhaltspunkte über die Beschaffenheit von Tank- und Fassmustern sowie von Produkten, die vor dem Markteintritt stehen oder bereits im Verkauf sind. Anhand der Beurteilungen kann der Einsender aber auch abschätzen, ob seine Produkte an einer offiziellen Prämierung eine gute Chance auf eine Auszeichnung haben. Als Benotungsskala dient das 20-Punkte-Schema, das verbal ergänzt wird. Die Resultate der Expertise werden vertraulich behandelt und innerhalb eines Monats dem Einsender bekanntgegeben. Dieser hat Gelegenheit, an der Beurteilung zugegen zu sein.
Kosten der Expertise : CHF 70.-- pro Probe (ab drei Proben CHF 50.-- pro Probe).

Bericht über die 1. Schnapsexpertise


24. Juni 2007

Glück und Unglück liegen manchmal ganz nahe beisammen

Eben noch wurde Edmund Marder an der Destillata 2007 zum gefeierten Brenner des Jahres gekürt. Dann schlug am 4. Juni 2007, kurz vor 17.00 Uhr, während eines Gewitters der Blitz in sein Wohnhaus in Unteralpfen bei Albbruck im Südschwarzwald ein.

Ausser Degustationsraum, Brennraum und Lager wurde fast alles durch Feuer und Wasser zerstört Dem Einbau einer Betondecke im Jahre 2000 ist es zu verdanken das die Edelbrandvorräte weitestgehend gesichert werden konnten.
Die Familie Marder ist vorläufig bei Verwandten und Freunden untergebracht.
Die Produktion wird ab 1. Oktober in den drei aussenstehenden Brennereien fortgesetzt.


Walliserbote, 4. April 2004

«Master of Vogelbeeren»

 Eigener Fruchtbrand für Saas-Fee

S a a s - F e e. - eing.) Nach einer erfolgreichen Testphase von fünf Jahren präsentiert Saas Fee seinen eigenen einheimischen Fruchtbrand.

Der Küchenchef des Ferienart Resort & Spa, Jörg Walter, hat eine eine sinnvolle Nutzung der Vogelbeeren für die Gemeinde Saas-Fee entdeckt: Der erste einheimische Vogelbeerschnaps wurde am vergangenen Freitag im Weinkeller «Beartus» vorgestellt. Sieben fleissige Helfe aus Saas-Fee, hatten im letzten Sommer 84 Kilogramm. Vogelbeeren gesammelt und an das Ferienart abgegeben. Das Hotel selbst konnte mit seinen Mitarbeitern nochmals 206 Kilogramm Vogelbeeren dazugeben. Nach dem Brennen bei Daniel Zürcher in Port/Biel. kamen 17,4 Liter, Vogelbeerschnaps zurück ins Saastal. Natürlich soll dieses Engagement der einheimischen Bevölkerunt belohnt werden und so wurde am Freitag mit Richard Bodenmann der «Master of Vogelbeeren» gekürt. Er hatte ganze 30 Kilogramm Vogelbeeren gesammelt und dem Ferienart zur Verfügung gestellt! Die 1,8 Liter Schnaps; die aus seinen, Beeren gewonnen werden konnten, durfte der strahlende Gewinner auch gleich mitnehmen: Der «Master of Vogelbeeren» soll fortan jährlich gekürt werden.


Anfangs April 2007

Keine Schnapsprämierung im Jahr 2007

Information zur Prämierung des Schweizer Schnaps Forums

1997 lancierte das Schweizer Schnaps Forum eine nationale Prämierung einheimischer Destillate. In der Zwischenzeit wurden in der Schweiz weitere Prämierungen ins Leben gerufen. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums haben die Organisatoren des Schweizer Schnaps Forums entschieden, ihren Wettbewerb durch Kooperationen mit anderen Veranstaltern von Schnapsprämierungen weiter zu entwickeln, um dadurch der Prämierung noch mehr Gewicht zu verleihen.

Mit dem Forum Romand des eaux-de-vie und einer sich noch im Aufbau befindenden Tessiner Organisation ist die Realisierung einer gemeinsamen Ausschreibung und Durchführung weit fortgeschritten. Die Vertreter dieser Organisatoren sind übereingekommen, dass eine erste, neukonzipierte Prämierung im Herbst 2008 durchgeführt werden soll. Aus diesem Grund verzichtet das Schweizer Schnaps Forum auf eine Prämierung in diesem Jahr.

Ob und wie weitere nationale oder internationale Organisationen mit den drei Foren kooperieren werden, ist zurzeit Gegenstand von Verhandlungen. Über die definitive neue Formel werden wir zu gegebener Zeit informieren.

Das Schweizer Schnaps Forum bedankt sich bei allen Schnapsproduzenten, dem Handel, der Gastronomie, den Medien und der Konsumentenschaft für die dem Schweizer Schnaps Forum in den vergangenen Jahren entgegengebrachte Aufmerksamkeit und das Vertrauen.

Wir freuen uns auf eine erweiterte Neuauflage der Schweizer Schnaps-Prämierung im Jahr 2008.

  Der Vorstand SSF

Destillata 07

Edmund Marder aus Albbruck - Unteralpfen (bei Waldshut) wurde mit der höchsten Destillata-Auszeichnung „Edelbrenner des Jahres -Gold“ ausgezeichnet.
Die Produkte der Schweizer Brenner Ruedi Käser (Elfingen) und Thomas Heiner (Oberwil) wurden an der Destillata mit der Auszeichnung "Höchste Qualität“ ausge-zeichnet.
Die Brennerei Dettling AG, Brunnen, erhielt für ihre eingesandten Kirschenbrände 7
silberne sowie eine bronzene Auszeichnung


Salz und Pfeffer, No. 8, Dez. 2006


►Anlässlich der 10. Schnapsgala des Schweizer Schnaps Forums in der Zürcher Wirtschaft Neumarkt kämpften rund 40 Verkoster um den Titel der goldenen Schnapsnase. Die Teilnehmer mussten dafür 18 klare Destillate bestimmen können. Sieger und Schnapsnase des Jahres wurde der Neumarkt-Gastgeber himself : René Zimmermann.

Schnapsnase des Jahres :
Neumarkt-Wirt Rene Zimmermann


Tages-Anzeiger, 5. Okt. 2006

Wer wird «Schnapsnase der Nation»?

Zürich. - Haben Sie schon mal einen Rüeblibrand probiert? Können Sie es sich vorstellen, einen Chicoreeschnaps als Verdauer zu geniessen? Und wie schmecken wohl Erdbeeren, wenn aus ihnen ein Destillat gebrannt wird? 184 Flaschen Hochprozentiges werden heute Donnerstagabend an der zehnten «Schnapsgala» im Restaurant Neumarkt entkorkt, fein säuberlich auf langen Tischen ausgestellt und können vom Publikum degustiert werden. Den Destillaten ist gemeinsam, dass sie von der Vereinigung Schweizer Schnaps Forum mit einer Goldvignette ausgezeichnet worden sind - das heisst, in einer Vorausscheidung erreichten sie mindestens 16 von 20 möglichen Punkten. Eine Fachjury hat vier Kriterien geprüft: Die Sauberkeit im Geruch, die Frucht- und Sortentypizität, den Geschmack und die Harmonie.
Seit der ersten Prämierung 1997 ist es Ziel der Veranstalter, die Qualität einheimischer Brände zu verbessern. Vergleicht man die Anzahl ausgezeichneter Schnäpse - damals erhielten etwa 35 Prozent eine Medaille, heute sind es bereits rund 70 -, hat sich das Konzept bewährt:

Absinth aus Bachenbülach
Der Besuch der «Schnapsgala» lohnt sich für Interessierte auch, weil viele Schnapsbrenner anwesend sein werden. Eine gute Gelegenheit, die Menschen hinter den hochprozentigen «Wässerchen» kennen zu lernen: Beispielsweise Hans Erismann aus Bachenbülach, der eine Zürcher Version des berüchtigten Absinths herstellt. Oder die Familie Kunz-Keller, die in Maienfeld einen Geist aus Heu brennt.
Auch dieses Jahr wird an der Gala die «Schnapsnase der Nation» gesucht, also der talentierteste Degustator aus dem Publikum. Ab 18 Uhr kann man sich fürs Finale qualifizieren. Aber Vorsicht! Schnäpse in der Regel nur mit der Nase verkosten - sonst verliert man schon nach drei, vier Proben den Überblick. (boe)

René Zimmermann, Wirt der Wirtschaft Neumarkt, wurde knapp vor Oliver Matter-Luginbühl, Kalnach, "Schnapsnase der Nation" (Red. SSF).


10. nationale Schnapsprämierung des Schweizer Schnaps Forums

Zum zehnten Mal führte das Schweizer Schnaps Forum eine nationale Schnapsprämie-rung durch. 61 Produzenten nutzten die Gelegenheit und sandten 262 Destillate, Geiste, Vieilles und Liköre zur Prüfung ein. Am 25. und 26. August haben 18 Verkosterinnen und Verkoster diese Proben beurteilt. Von den 262 eingesandten Proben konnten 184 mit der Goldvignette ausgezeichnet werden. Dazu sind mindestens 16 von möglichen 20 Punkten nötig, welche sich auf vier Kriterien - Sauberkeit im Geruch, Frucht- bzw. sortentypischer Geruch, Geschmack und Harmonie - verteilen.
57 Proben erhielten 18 und mehr Punkte. Daraus wurden die besten Produkte von der Gesamtjury zum „Schnaps des Jahres“ gewählt. Die ausführlichen Ergebnisse der Schnapsprämierung 2006 finden Sie auf dem Internet unter www.schnapsforum.ch.


Handelszeitung, 23.08.2006

Aus Willisau kommen nicht nur Ringli

DIWISA Wodka aus Willisau? Oder doch lieber «Kaffee Schnaps>? Diwisa produziert beides. Die grösste Schweizer Distillerie verkauft ihre Erzeugnisse vermehrt auch ins Ausland. Etwa an die Lufthansa.

PIRMIN SCHILLIGER

Es sprudelt, gurgelt und rinnt in den Brennhäfen der grössten Distillerie der Schweiz. Computer steuern den Prozess wie von Geisterhand. In die Tanks fliessen schliesslich «Original Willisauer Fruchtdestillate»: Apfelbrände, Birnenträsch, Chrüter, Kirsch, Pflümli und Williams, aber auch Wodka. Dessen Geschmack wird über 38 Brennstufen oder Schikanen verfeinert. «Das Getränk besteht aus lokalem Roggen und aus Gletscher-wasser vom Titlis», verrät CEO René Gut. So auch der Wodka «Xellent». Er wird in 22 Länder exportiert, 2005 wurden 120’000 Flaschen verkauft. Die Fluggesellschaft Lufthansa serviert ihn in der Business Class.
Diwisa agiert als Hersteller und Händler, wobei sie 80% des Umsatzes mit eigenen Marken tätigt. 40% des Rohstoffes - zur Maische vergärtes Obst - stammt aus der Schweiz. Ein zweites Standbein sind Importe bekannter Labels wie «Sierra Tequilla» oder «Jägermeister». Jüngstes Beispiel einer Eigenkreation ist der Energydrink Trojka. Seit der Lancierung des mit Koffein und Taurin aufgemischten Muntermachers im vergangenen Sommer konnten bereits 5 Mio Dosen verkauft werden. Dabei ist erst die Gastronomie so richtig ins Visier genom­men worden. Im Detailhandel soll die Dose später auch angeboten werden.

«Kaffee Schnaps» aus Maschine?
«Trojka Energy» und «Xellent» sind zu wichtigen Umsatzträgern geworden. Dazu gehören nach wie vor auch die erwähnten Original Willisauer Fruchtdestillate, was nicht selbstverständlich ist. Denn Fruchtspirituosen gelten als rückläufiges Segment, in dem sich zudem immer mehr Konkurrenten tummeln. Während in den letzten Jahren deshalb zahlreiche Brennereien in der Schweiz von der Bildfläche verschwunden sind, konnte die Diwisa stetig wachsen. Allein in den letzten drei Jahren konnte der Umsatz um 15 Mio auf 124 Mio Fr. gesteigert werden. Darüber freut sich auch der Staat, der 2005 von diesem Betrag über 50 Mio Fr. Alkoholsteuern eingezogen hat.
Potenzial spricht Chef René Gut auch einer neuen Kaffeemaschine zu. Es handelt sich um einen Prototyp, der Spirituosen auf Knopfdruck dem Kaffee beimixen kann. «Mit dem Gerät wollen wir vor allem Skihütten und Schneebars ausrüsten», erklärt Gut. Das Konzept, Tradition mittels moderner Technik wieder zu beleben, erinnert an die Kampagnen von «Jägermeister». Tatsächlich ist Diwisa Schweizer Generalimporteur dieser Weltmarke.
Der 37-jährige Gut war, bevor er Chef bei der Diwisa wurde, bei Diageo tätig, einem der grössten Global Player im Spirituosengeschäft. Als ihn 2003 Diwisa-Eigentümer Andreas Affentranger, der vorher zehn Jahre lang sein Familienunternehmen in dritter Generation selber geleitet hatte, zu seinem Nachfolger machte, war damit auch ein Strategiewechsel verbunden. Das Marketing wurde zur Kernaufgabe erklärt und das Ausland ins Visier genommen. Die Brennerei arbeitet im Zwei- bis Dreischichtenbetrieb. 250 Tanks umfassen je 30’000 bis 50'000 l.
Diwisa beliefert heute 34 Länder. Der Export macht inzwischen 10 % des gesamten Umsatzes aus. Im internationalen Geschäft spielt die Diwisa gegen Milliardenkonzerne. Ein Kleiner kann sich da nur mit Effizienz und dem umso gezielteren Einsatz seiner Mittel behaupten. «Gute Netzwerke, Markt und Kundennähe sowie Schnelligkeit sind unsere Stärken», sagt Gut.

«Swissness» als Strategie
Zur Strategie gehört für das Unternehmen aber auch der Bezug zur Schweiz. So wird beispielsweise ein Likör nach dem Geschmack der Willisauer Ringli nicht in die üblichen Flaschen, sondern in gläserne Ringe abgefüllt. Nicht zuletzt liefert die Diwisa auch Zutaten für typische Schweizer Spezialitäten wie etwa die Kirschstängeli oder Käsefondue.


Neue Luzerner Zeitung, 10.8.2006

Diwisa schluckt Pomdor-Schnäpse

Die Luzerner Brennereien Pomdor AG Distillerie St. Georg Sursee und Diwisa Distillerie Willisau SA reagieren auf den schrumpfenden Absatz von Fruchtspirituosen wie Träsch, Kirsch und Pflümli. Die Pomdor verkauft ihr Geschäft mit Schweizer Spirituosen der Diwisa und zieht sich. aus diesem Markt zuriick. Pomdor habe bisher in diesem Bereich einen Umsatz von rund 15 Millionen Franken erzielt, vorab mit Fruchtspirituosen, Diwisa mache einen Jahresumsatz von 85 Millionen Franken, erklärte gestern Andreas Affentranger, Präsident und Inhaber der Diwisa.

Produktion In Sursee am Ende
Die beiden Marktführer sorgen somit für eine Konzentration des Geschäfts: Diwisa ist in der Schweiz vor der Pomdor die Nummer eins bei den Fruchtspirituosen. Das Umfeld sei wegen des 1999 liberalisierten Schweizer Spirituosenmarkts, des Konsumrückgangs, der Konzentration im Detailhandel und des Preisdrucks schwierig, halten die beiden Firmen in einer Mitteilung fest. Der Absatzriickgang düickte auch auf die Auslastung der Anlagen.
Die Flurbereinigung bei den Schnäpsen erfolgt per Anfang Oktober; der Kaufpreis wird nicht bekannt gegeben. Die bisher in Sursee erfolgte Produktion wird nach WiIlisau verlegt. «Wir können damit unsere Anlagen besser auslasten», sagte Andreas Affentranger. Das sei wichtig und man könne nun auch anstehende Investitionen tätigen. Diwisa errichtet jetzt eine 1,5 Millionen Franken teure neue FlaschenreinigungsanIage.
In Sursee werden rund ein halbes Dutzend Arbeitsplätze aufgehoben. Diwisa sei bereit, einen Teil derbetroffenen Mitarbeiter zu übernehmen sagte Affentranger dazu. Die Diwisa beschäftigt derzeit 85 Angestellte in Willisau und 20 in Frankreich.

Konzentration wird weitergehen
Affentranger rechnet mit einer weiteren Konzentration des Geschäfts mit Fruchtspirituos-en. Diwisa plane aber keine weiteren Käufe. Das Willisauer Familienunternehmen forciert seine Markenprodukte und den Export.
Die Getränkefirmen Pomdor. die zum Fenaco-Konzern gehört, und Granador in Hitzkirch hatten ihre Aktivitäten in der Unidrink AG gebündelt. die Anfang April vergangenen Jahres startete und an der Pomdor einen Anteil von 64 Prozent hält.
RENE COTTER


Schweiz. Zeitschrift für Obst- und Weinbau, 11. Aug. 2006

Herstellung von Qualitätsspirituosen

Am 11. Oktober, 21. November und 14. Dezember 2006 im Inforama Oeschberg, Fachstelle für Obst und Beeren.

Fachkurs in drei ModuIen über Einmaischen, Vergären und Brennen sowie Verkosten von Spirituosen. Ein Kurs der Eidgenössischen Alkoholver­waltung in Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Chan­gins-Wädenswil ACW (peter Dürr) und dem Inforama Oesch­berg. Zur Überprüfung etfolg­reicher Qualitätsverbessenm­gel1 stehen in der Folge zwei Veranstaltungen des Obstver­bands Besofrisch an, die auch Nichtmitgliedern des Verbands zur Teilnahme offen stehen.


Schweiz. Zeitschrift für Obst- und Weinbau, 28. Juli 2006

10. Nationale Schnapsprämierung 2006

Schon neunmal hat das Schweizer Schnaps Forum alle Schweizer Brenner und Schnapsproduzentinnen zur jährlichen Nationalen Schnapsprämierung eingeladen. Die Verkoster und Verkosterinnen des Schweizer Schnaps Forums haben total 1893 Destillate, Vieilles, Geiste und Liköre geprüft und bewertet.
1115-mal wurde die begehrte Goldvignette und 151-mal der Titel «Schnaps des Jahres» vergeben. Im Durchschnitt der letzten neun Jahre wurden knapp 59% der eingereichten Produkte prämiert. Dabei hat sich die Qualität zum grossen Nutzen von Produzenten und Konsumentinnen deutlich verbessert. Das heisst jedoch nicht, dass man nun in den Anstrengungen nachlassen darf. Deshalb fordert das Schweizer Schnaps Forum die Erzeuger einheimischer Spirituosen, Brennerinnen, Landwirte, Winzerinnen und Hobby-Brenner auf, an der Schnapsprämierung 2006 teilzunehmen und ihre besten Produkte zur Beurteilung einzusenden.

Spitzenbrenner Edmund Marder aus dem Schwarzwald ist ein Experte im Beurteilen von Destillaten.

Einsendeschluss: 11. August 2006
Die Produkte (zwei Flaschen zu mindestens 50 cl inklusive zwei Original-Etiketten) sollen bis spätestens 11. August 2006 an folgende Adresse eingesandt werden:
Hansjürg Zehnder, Speerstr. 2, 8820 Wädenswil.
Die Teilnahmegebühr beträgt für die erste Probe Fr. 130.--, für die zweite Fr. 120.--, für die dritte Fr. 110.--, für die vierte Fr. 100.-- und so weiter bis zu einem Minimalbetrag von Fr. 50.-- pro Probe.
Die Verkostung und Bewertung der Proben durch eine geschulte Jury erfolgen am 25. und 26. August 2006. Die Resultate werden Anfang Oktober bekannt gegeben. Eine Leistungsschau, die so genannte «Schnapsgala», findet am 5. Oktober 2006 im Restaurant Neumarkt in Zürich statt. Diese Schau ist öffentlich, jedermann ist dazu herzlich eingeladen. Alle prämierten Produkte können dabei verkostet werden.
Anmeldeformulare und weitere Informationen erhalten Sie beim Sekretariat SSF, c/o Frau Ursula Frei, Pfannenstilstr. 18, 8820 Wädenswil, Tel. 044 780 63 66, Fax 044 781 35 65, E-Mail: Info@schnapsforum.ch oder via Internet über www.schnapsforum.ch.

Welche Produkte sind zugelassen ?

  • Eingereicht werden können in der Schweiz hergestellte Produkte wie Frucht-, Beeren-, Trester-, Wurzel- und Gemüsebrände aus Maische, «Vieux»-Produkte (Vieilles), Geiste von Beeren und Kräutern sowie Liköre.
  • Zusätzlich aromatisierte Produkte (mit natürlichen oder synthetischen Aromastoffen) sind nicht zugelassen.
  • Liköre dürfen nur aus natürlichen Zutaten zusammengestellt werden.
  • Geiste müssen als solche deklariert werden.
  • Die eingereichten Produkte müssen den Vorgaben der Schweizerischen Lebensmittelverordnung entsprechen.
  • Die eingereichten Proben müssen ab Bekanntgabe der Resultate beim Produzenten oder am Markt in Trinkstärke verfügbar sein.

Hansjürg Zehnder, Wädenswil


Kassensturz vom 17.1.2006

Kirsch im Test : Von ausgezeichnet bis ungeniessbar  

Ausgerechnet der Kirsch, den die Beizer Tag für Tag ihren Kunden vorsetzen, schneidet im Kassensturz-Degustationstest am schlechtesten ab.

Die klassischen Kirschenkantone Luzern, Schwyz, Aargau Basel-Landschaft, Zug und Bern behaupten von sich gerne, sie brennen den besten Kirsch. Kassensturz hat die am meist verkauften Kirsche aus Discountern und Grossverteilern sowie Flaschen von kleineren Brennern aus den klassischen Kirschenkantonen von ausgewiesenen Fachleuten degustieren lassen. Degustiert haben Josiane Enggasser vom Schweizerischen Obstverband, Daniel Zürcher, Schnapsbrenner aus Port bei Biel, Oscar Philipp Adler, Jurymitglied bei diversen Schnaps-Prämierungen, René Zimmermann, Schweizer Schnaps Forum und Gabriela Perret, prämierte "Schnapsnase des Jahres 2004". Da es sich um eine Blinddegustation handelt, weiss niemand, was er oder sie probiert.

Verschiedene Hersteller kritisieren die Degustation. Sie sagen, man können nicht Kirsche von Discountern und Grossverteilern mit Produkten von spezialisierten kleinen Brennern vergleichen. Der beste Kirsch im Test kommt aus dem Kanton Luzern: "Kirschbrand Lauerzer" von Urs Hecht für Fr. 8.60 pro Deziliter. Guten Kirsch gibt es im Kanton Aargau, der "Oberfricker Kirsch" von Schwaller und der "Seppetoni" von Humbel, gut der Schwyzer "Kirsch Réservé" von Dettling und der Baselbieter "Reigooldwiler Kirsch" von Wirz. Ein "befriedigend" erhalten der erste Berner Kirsch, der "Bure-Kirsch (er hat gut nur ganz knapp verpasst), sowie "Kirsch Vieux" von Studer, "Fassbinder Bergkirsch" von Fassbind und die Zuger Kirsche "Notiker Kirsch" von Keiser und "Wölflinsteiner" von Röllin. Unbefriedigend schneidet ausgerechnet der bekannte "Original Willisauer" von der Grossbrennerei Diwisa ab. Unbefriedigend auch der Zürcher "Berghof" von Lateltin, "Räber Kirsch" aus Küssnacht am Rigi. Räber schreibt: "Derselbe Kirsch hat an einer nationalen Degustation die goldene Auszeichnung gewonnen." Ein anderes Mal ebenfalls schon prämiert wurde der "Zuger Kirsch" von Etter. Unbefriedigend auch der traditionelle Baselbieter "General Sutter" von Nebiker, "Rufihof Rigi-Kirsch" aus dem Denner (Grossbrennerei Pomdor), "St. Georg", ebenfalls aus der Grossbrennerei Pomdor, gekauft bei Volg sowie "Häfelibrand - Petit Alambic", die Coop-Eigenmarke, gebrannt bei Pomdor. Schlecht mundet den Degustatoren "Alter Kirsch", gekauft bei Denner, gebrannt von der Diwisa. Sehr schlecht schneidet der "Urschwyzer Kirsch Altes Dorf" aus dem Hause Landtwing-Rütter ab. Ausgerechnet dieser Kirsch wird in Restaurants serviert. Gemäss Hersteller Rütter sei ein Produktionsfehler schuld am schlechten Geschmack. Rütter schreibt: "Wir haben herausgefunden, dass uns bei der Reinigung der Abfüllanlage ein Fehler unterlaufen ist. In der Folge verfälschte sich der Geschmack der nächsten 800 Liter Kirsch. Die von Kassensturz degustierte Flasche gehört zu dieser Abfüllserie."

Es gibt den Original-Kirsch aus Willisau, den klassischen Zuger Kirsch oder den Oberfricker aus dem Aargau. Doch die heile Welt der Schweizer Kirsche ist bedroht: Schon jeder zweite Liter Kirsch nämlich kommt aus dem Ausland. Seit einem Jahr muss nämlich für Import-Kirsch weniger Zoll bezahlt werden. Deutsche Produzenten können dank bundesweit tieferer Alkoholsteuer und gesunkenem Zoll Kirsch günstig in die Schweiz liefern. Die Folge: Preiszerfall bei den Schweizer Kirschen. Die Bauern produzieren weniger, und die Brenner kaufen Kirschen immer mehr im Ausland. Daraus brennen sie günstigen Schnaps und verkaufen ihn - legal - als "Schweizer Kirsch".

Bericht : Peter Basler


Salz & Pfeffer, No. 8, Dez. 2005

Schnäpse des Jahres

Das Schweizer Schnaps Forum hat heuer 154 von 238 eingesandten Produkten prämiert. Die Qualitätslatte habe man bewusst höher gesetzt und die vorliegenden Proben schärfer beurteilt als bisher. Der Titel eines «Schnaps des Jahres» wurde in 17 von 20 Produktekategorien vergeben.

APFEL: BERNER ROSEN 2003

Nase: sauber, typisch, intensiv, fein,vollaromatische Frucht
Gaumen: sehr fein und feingliedrig, kurzer Abgang
CHF 24.-- (5 dl)
Zürcher Spezialitätenbrennerei, 2562 Port, 032 331 85 83, duzuercher@hotmail.ch

 

BIRNE: GOLDSCHMÖCKLER 2004

 

Nase: sauber, schöne, fruchtige Aromatik, Zitrusnoten, elegant, typische Mostbirne
Gaumen: dicht, komplex, würzig, ausgewogen, langer Abgang.
CHF 24.-- (5 dl)
Rüttimann Brennerei, 5646 Abtwil, 041 787 15 30

 

PFLAUME&ZWETSCHGE: DAMASSINE 2004

 

Nase: sauber, feinfruchtig, etwas verhalten, helle Steintöne, Marzipan
Gaumen: dicht, komplex, kräftig, anhaltend, sehr reiner Fruchtkörper.
CHF 38.-- (5 dl)
Fondation Rurale Interjurassienne, 2852 Courtetelle, 032 420 74 78, www.frij.ch

 

TRAUBE: GRAPPINO MUSCAT BLEU

Nase: sauber, typisch, kräftige Zitrusnote, feingliedriges Aroma
Gaumen: angenehm, harmonisch, leicht bitter, Rose im Abgang.
CHF 27.-- (5 dl)
Distillerie Zimmerli, 8215 Hallau, 052 681 35 14, www.zimmerli-hallau.ch

 

VIEILLE: GOLDBIRNEN 2004

Nase: sauber, schöne Birne, aromatisch, frisch, klare Williamsbirne, betont süss
Gaumen: harmonisch, rund, lang mit Karamelnote.
CHF 31.-­ (5 dl)
Weingut Mühlebach, 5306 Tegerfelden, 056 245 34 76, www.weingut-muehlebach.ch


Schweizer Bauer, 29. Okt. 2005

SCHNAPSPRÄMIERUNG : 238 Proben wurden zur Prämierung eingereicht

Jedes Jahr verden es mehr Schnäpse

An der Schnapsgala in Zürich erhielten 65 % der Proben die Gold-Vignette, 17 wurden zum Schnaps des Jahres gekürt.

DANIELA BIRRER

Mit der Schnapsprämierung 2005 an der Schnapsgala in Zürich wird den Brennern in der Schweiz die Möglichkeit geboten, die Qualität ihrer Produkte neutral beurteilen zu lassen. 238 Proben wurden zur Prämierung eingereicht. Es werden jedes Jahr mehr, wie Stefan Keller, Präsident des Schweizer Schnapsforums SSF, bemerkt. Die Beurteilung der Produkte wurde in Wädenswil durchgeführt. Die Kriterien Sauberkeit, Geruch, Fruchttypizität, Geschmack und Harmonie wurden nach einer 20-Punkte-Skala bewertet. Jedes Produkt, das mehr als 16 Punkte erreichte, wurde mit einer Gold-Vignette ausgezeichnet. Mit über 18 Punkten kam ein Schnaps in die engere Auswahl für die Auszeichnung Schnaps des Jahres. Hansjürg Zehnder, Leiter der Projektgruppe Schnapsprämierung, erklärte vor der Ehrung der besten Schnäpse die Bedeutung der Gold-Vignette. Sie hat sich in der Schweiz in den letzten Jahren zu einem wichtigen Label entwickelt.

Das SSF garantiert durch regelmässige Kontrollen, dass alle Flaschen mit der Gold-Vignette dem entsprechenden Qualitätsstandard entsprechen. 65 % der eingesandten Proben konnten die Gold-Vignette erreichen und 17 Produkte wurden mit der Auszeichnung Schnaps des Jahres gekürt. Die Schnapsbrenner nehmen die Auszeichnung mit Stolz entgegen. Viele bemühen sich seit Jahren, bei der Prämierung eine Gold-Vignette zu erreichen. So zum Beispiel Peter Vogt aus Riehen. Er hat zwei Produkte eingereicht und eine Gold-Vignette erhalten. Er reicht seit drei Jahren Proben zur Prämierung ein, konnte aber noch nie eine Auszeichnung erlangen.

 

 

 


Die eingereichten Schnaps-Proben werden streng geprüft. (Bild: Daniela Birrer)

PRÄMIERUNG
17 Produkte wurden zum Schnaps des Jahres erkoren: Kategorien: Apfel, Berner Rosen 2003: Zürcher Spezialitätenbrennerei, Port BE; Birne, Goldschmöckler: Rüttimann Brennerei, Abtwil AG; Williams, Williams 2004: Liechtensteiner Edelbrand, Schnellenberg FL; Quitte, Quitten Brand 2004: Humbel Spezialitätenbrennerei, Stetten AG; Kirsche, Kirsch 2003: Zogg Mosterei und Brennerei, Grabserberg SG; Kirsche sortenrein, Kirschbrand LU Lauerzer: Gunzwiler Destillate Urs Hecht AG, Gunzwil LU; Aprikose, Eau-de-vie d'Abricot de Saxon 2004: Dupont Bernard, Saxon VS; Zwetschge/Pflaume, Damassine 2004: Fondation rurale Interjurassienne, Courtetelle JU; Traube, Grappino Muscat-bleu: Zimmerli Distillerie, Hallau SH; Traubentrester, Grappin: Kunz-Keller Weinbau-Distillerie Maienfeld GR; Geist, Bugermeister 2004: Abt André, Hellikon AG; Fruchtbrand Holz, Kirsch fassgereift 2004: Schmid-Egli Bauerndestillate, Bauma ZH; Beeren, Himbeer 3/2004: Erismann Brennerei, Bachenbülach ZH; Wildfrüchte, Wilde Vogelbeere 2004: Hotel Waldhaus, Sils GR; Gemüse und Wurzeln, Härdöpfler Bintje 1/2004: Erismann Brennerei, Bachenbülach ZH; Vieille, Goldbirne 2004: Weingut Mühlebach, Tegerfelden AG; Liköre, Erdbeerlikör 2005: Weidhöfler-Spezialitätenbrennerei, Ormalingen BL.


baz, 28. Okt. 2005

SORTENVIELFALT
Das Schweizer Schnaps Forum setzt sich seit zehn Jahren für die Förderung und Qualitäts­verbesserung der einheimischen Destillate ein. Kernstück der Aktivität des Vereins ist die Durchführung einer jährlichen nationalen Prämierung, die 2005 bereits zum 9. Mal durchgeführt wurde. An der Basler Weinmesse ist das Schweizer Schnaps Forum mit einem Stand präsent und bietet den Besucherinnen und Besuchern die Mög­lichkeit, anhand einer Auswahl prämierter Brände die faszinierende Vielfalt einheimischer Destillate zu entdecken. Ging früher simpler Bätzi, Träsch oder Chrüter über die Theke, wählen Connaisseurs heute zwischen einem Birnenbrand der Sorten Goldschmöckler oder Gelbmöstler, einem Wölflisteiner- oder Dolleseppler-Kirsch, Die Produktevielfalt wächst von Jahr zu Jahr. Dazu tragen das wachsende Interesse an sortenreinen Bränden, das Verwenden bisher unüblicher Rohstoffe, der vermehrte Einsatz von Fässern unterschiedlicher Holzarten und die Lust am Experiment in der Liköre-Klasse bei. S.K.


Schnapsgala 2005

Donnerstag, 27. Okt. 05 : Die Schnapsgala ist immer der Abschluss der jährlichen Schnapsprämierung des Schweizer Schnaps Forums. Hier werden die Resultate öffentlich gemacht und jedermann kann sich von der guten Qualität der prämierten Destillate, Vieilles und Liköre überzeugen. So drängten sich denn an diesem Abend gegen 100 Gäste in den oberen Räumen der Wirtschaft Neumarkt in Zürich. Neben der Ausstellung konnten auch zwei Kurzseminare unter dem Titel "Wo liegt der Qualitäts-Unterschied" besucht werden. Ein Treberwurstessen beschloss den ausgezeichnet besuchten Anlass.


Vogelbeerbrand

Schon vor einem Jahr schrieb Stefan Keller über die Schnapsidee einer Hotelequippe, welche sich in den Kopf gesetzt hatte, einen eigenen Vogelbeerschnaps zu kreieren. Jetzt hat es der Brand an die Spitze der diesjährigen Hitliste gebracht. Die "Wilde Vogelbeere" aus dem Engadin wurde "Schnaps des Jahres" an der Schnapsprämierung 2005 bei den Wildfrüchten.


Damassine - AOC ?

Der Kanton (und die Republik) Jura möchte die Bezeichnung "Damassine" für das Destillat aus der Pflaume "Prune de Damas (Damasson rouge)" schützen und mit einem AOC-Label versehen lassen :


Tages-Anzeiger, 13. 07.05

Kirschbauern sind in der Krise
von David Schaffner, Luzern

Die Schweizer trinken immer weniger einheimischen Schnaps. Die Bauern lassen die Früchte den Vögeln, und die Brenner bleiben auf ihrer Ware sitzen.

Die Kirschbäume in der Innerschweiz sind momentan reich mit Früchten behangen. Dank einem guten Frühling dürfte die Ernte um rund 20 Prozent höher ausfallen als im vergangenen Jahr. Die Produzenten von Brennkirschen können sich dennoch nicht freuen. «Mehrere Bauern beabsichtigen, ihre Kirschen gar nicht erst zu pflücken», sagt Bruno Pezzatti, Direktor des Schweizer Obstverbandes.
Schuld ist der Preiszerfall: Die Kirschbauern erhalten für ihre Früchte so wenig Geld, dass sich die Ernte nicht mehr lohnt. Um 30 Prozent ist der Abnahmepreis innerhalb eines einzigen Jahres gesunken - von 85 auf rund 60 Rappen pro Kilo. Betroffen sind in der ganzen Schweiz einige Hundert Bauern. «Manche von ihnen sind so frustriert, dass sie ihre Bäume fällen», sagt Pezzatti.
Die Nachfrage nach Schweizer Schnaps ist in den vergangenen Jahren massiv zurückgegangen. Vor zwanzig Jahren brannten die Schweizer Distillerien noch jährlich 5,3 Millionen Liter reinen Alkohols, heute sind es gerade noch 2,3 Millionen. Dies liegt einerseits daran, dass die Schweizer insgesamt weniger Alkohol konsumieren: Seit der Mitte der Achtzigerjahre hat der durchschnittliche Konsum um beinahe ein Fünftel abgenommen.
Andererseits ist es auf Grund der Harmonisierung der Alkoholsteuer zwischen 1991 und 1999 zu einer Verlagerung des Alkoholkonsums gekommen. Da der Bund die Steuern auf inländische Spirituosen um rund ein Drittel erhöht, jene auf ausländische hingegen halbiert hat, trinken die Schweizer heute mehr als doppelt so viel Whisky, Rum oder Grappa als noch vor sechs Jahren - auf Kosten der heimischen Produkte.

Auf Tafelkirschen umsteigen
Für die Schweizer Kirschbauern ist dieser Rückgang ein harter Schlag. «Vor 15 Jahren konnten die Bauern noch 15 000 Tonnen Brennkirschen verkaufen», sagt Pezzatti. «Heute sind es bloss noch 5000.» Das liegt nicht nur daran, dass die Liebe der Schweizer zum Kirsch abgekühlt ist, sondern auch an der Liberalisierung des Brennkirschenmarktes. Heute wird fast die Hälfte des Schweizer Kirsches aus ausländischen Früchten hergestellt. Diese sind billiger und qualitativ oftmals besser. Lukrativer wäre es für die Bauern, auf Tafel- oder Konservenkirschen umzustellen. Denn diese sind knapp und nach wie vor durch hohe Importzölle geschützt.

Distillerien verschwinden
Der schwindende Bedarf an Schweizer Schnaps macht nicht zuletzt den Distillerien zu schaffen. «Die Branche hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Erosionsprozess durchgemacht», sagt der Chef des Schweizer Obstverbandes. Viele kleine, traditionsreiche Betriebe sind in den letzten zehn Jahren verschwunden. Jene, die überlebt haben, sind gewachsen. So etwa die Landtwing Rütter AG aus Hünenberg ZG. Sie ist heute die grösste Distillerie des Landes und setzt rund ein Viertel des Kirsches in der Schweiz um. «Wir haben unseren Umsatz in den vergangenen zwanzig Jahren vervierfacht», sagt Firmeninhaber Bernhard Rütter.
Seit der Steuerharmonisierung stagniert aber auch sein Umsatz. Jedes Jahr stauen sich mehr Flaschen in seinen Lagern. «Daher sind wir dieses Jahr sehr zurückhaltend beim Einkauf von Kirschen», sagt Rütter. Ähnlich sieht es bei der Distillerie St. Georg aus Sursee aus, einer Tochterfirma der Fenaco. «Wir kaufen weniger als 2004», sagt der Bereichsleiter Christian Gygax. «Eigentlich bräuchten wir gar keine Kirschen, da wir Vorräte für drei Jahre haben.» Bloss um den Bauern eine gewisse Kontinuität zu bieten, habe man dieses Jahr Kirschen übernommen.


Brau-Huus-Post Nr. 23, 13.Jg, Frühling/Sommer 2005

1. Wädenswiler Single Malt Whisky

EIN WÄDENSWILER WHISKY ENTSTEHT...

Der Aargauer Schnapsbrenner Ruedi Käser ist ein Pionier seines Fachs. Seit vielen Jahren kommt auch unser mehrfach ausgezeichneter Wädenswiler Bier-Brand aus dem Hause Käser. Nach jahrelanger Reife kommt nun die neuste Innovation aus dem Hause Käser an den Zürichsee: der erste Wädenswiler Single Malt Whisky. Wir haben uns mit dem Schnapsbrenner kurz dazu unterhalten.

Herr Käser, wie kommt man überhaupt zu einer solchen Schnaps-Idee, aus Bier einen Whisky machen zu wollen?

Ob Schnaps- oder Bieridee, beides wäre richtig und durchaus nur positiv zu verstehen. Auch der Wädenswiler Bierbrand war eine solche Schnaps-Idee, die ja heute gut ankommt. Aber ganz abgesehen davon haben Whisky und Bier eine starke Verwandschaft: Whisky hat einen riesigen Mythos, genau wie das Bier auch und die Vorstufe bei der Whisky-Herstellung ist ähnlich wie die des Bieres.

Diesen Herbst nun steht das neue «Wässerli» zum Verkauf. Können Sie uns schon eine kurze Degustations-Notiz machen? Sind Sie mit dem Produkt zufrieden?

Ich bin im Moment selber überrascht, über die Qualität. Dieser Whisky hat eine feine Nase und bringt im Gaumen eine elegante, aber druckvolle Rauchmalz-Aromatik zum Vorschein. Ich freue mich nach dem dreijährigen Ausbau in unserem Keller, über die Lancierung des 1. Wädenswiler Whiskys.

Das Whisky-Trinken ist ja eine Philosophie für sich und wird in Kenner-Kreisen zelebriert. Hat der Wädenswiler Single Malt beim Whisky-Publikum überhaupt eine Chance, ernstgenommen zu werden?

Dieser Whisky wurde nach schottischem Stil produziert. Die Vordegustationen, die auch Jim Murray (Whisky-Buchautor) gemacht hat, wurden als sehr gut bewertet. Ich bin überzeugt, dass der Wädenswiler sicher eine grosse Geniesserfamilie finden wird.

Man hört immer wieder, dass ein Whisky mit Eis zu trinken, eine Schande sei, weil es den edlen Brand verwässere. Wie empfehlen Sie den Wädenswiler Single Malt zu trinken?

Ein Single Malt Whisky ist ein Kunstwerk von Natur und Mensch und darf nicht durch andere Aromen gestört oder verwässert werden. Ein Whisky ist ein Whisky und kein Korn. Am besten sollte man ihn deshalb pur geniessen.

Aus Ihrem Hause kommen einige sehr bekannte Edelbrände, mit denen Sie immer wieder auch Auszeichnungen abholen. Was trauen Sie diesbezüglich dem Wädenswiler Whisky zu?

Den Wädenswiler Whisky werden wir auch an internationalen Veranstaltungen testen lassen. Unser Haus nennen wir ja auch «Whisky-Castle Switzerland» - schottischer als die Schotten. Und dafür wollen wir jetzt auch den Beweis antreten.

Was dürfen wir von Ihnen als nächste ProdukteInnovation auf dem Markt erwarten?

Es gibt jetzt eine neue Schnaps-Serie zum Flambieren unter dem Thema «Meat and Fire». Unter anderem sind Knoblauch, Thymian und Pfeffer die Ingredienzen. Und mal sehen, was die langjährig erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Wädi-Brau-Huus AG als nächstes zu Tage bringen wird... .

Herr Käser, vielen Dank für das offene Gespräch.

Weitere Infos: www.kaesers-schloss.com
Destillata 2005

142 Brenner reichten knapp 1200 Destillate zur verdeckten Verkostung ein. Der Großteil der Destillateure stammte aus Österreich, jeder vierte teilnehmende Betrieb kam aber bereits aus dem Ausland.

Die Resultate der Schweizer-Teilnehmer

Arnold Dettling AG
Olympstraße 10, 6440 Brunnen, Schweiz

Sorte: Kirschbrand, Lauerzer, L04205
Beurteilung: Reintöniger Sortenvertreter; edle Schokolade-Noten setzen animierende Akzente im intensiv fruchtigen Kirscharoma; perfekt in Länge und Balance.
Wertung: 20 , Medaille: SDJ

Sorte: Wildkirsche, L04207
Beurteilung: Sauber, vollaromatisch und typisch; edler Charakter mit harmonisch eingebundenem Steinton; druckvoll, persistent und ausgewogen; erfreulich anhaltendes, dichtes Finish.
Wertung: 19 , Medaille: Gold

Sorte: Weichsel, L04206
Beurteilung: Sauber; dezente Marzipannoten ergänzen die Frucht; am Gaumen schokoladig, kräftig und voll; zart-herbes Finale mit feinem Bitterl.
Wertung: 17 , Medaille: Silber

Sorte: Kirsch Bourbon, L04197
Beurteilung: Sauber; Frucht wird in der Nase von schönem Steinton und angenehmen Holznoten begleitet; am Gaumen etwas bitter-scharf akzentuiert; könnte ausgewogener sein.
Wertung: 16 , Medaille: Silber

Sorte: Kirschbrand Langstieler, L04204
Beurteilung: Sauber; sehr dezente Fruchtaromen mit zarten Schoko-Noten; wird am Gaumen breit; endet süßlich-würzig und etwas scharf.
Wertung: 15 , Medaille: Bronze

Edi Bieri
Talacker, 6340 Baar, Schweiz

Sorte: SingleMalt, L051
Beurteilung: Sauber, dezentes, gut eingebundenes Holz, kräftiger Charakter; am Gaumen füllig wenn auch etwas kantig; pikant-feurig im Abgang.
Wertung: 17 , Medaille: Silber

Ivano Friedli-Studer
Freiheim Möösli, Postfach 79, 6182 Escholzmatt, Schweiz

Sorte: Kirsch vieux
Beurteilung: Sauber; breite, überreife Fruchtausprägung in der Nase; am Gaumen tritt der Steinton in den Vordergrund; wenig Eleganz im Abgang.
Wertung: 15 , Medaille: Bronze

Das Schweizer Schnaps Forum Mitglied Edmund Marder, von der Fichtenhofbrennerei im Schwarzwald, überzeugte mit ausgewogener Qualität und einem breiten Leistungsspektrum und sicherte sich so den Titel "Landessieger Deutschland 2005".

Mehr von der Destillata
Die Welt, 17. 02. 05

Italien ruft zum Grappa-Krieg gegen Brüssel

Destillateure wollen Produktnamen schützen

von Barbara Wörmann

Rom - "Hände weg von der Grappa!" - diese Warnung ist nach dem Rauchverbot nicht etwa eine neue Schikane des italienischen Gesundheitsministeriums. Tatsächlich wurde sie vom Verband der Grappa-Brenner ausgesprochen und gilt der EU: "Es herrscht Alarmstimmung unter den italienischen Destillateuren."
Grund für die Aufgeregtheit ist eine mögliche Revision der EU-Spirituosenverordnung von 1989. Laut dem Reglement 1576/89 darf sich bisher nur in Italien hergestellter Tresterschnaps mit dem Namen Grappa, abgeleitet von "Grappolo" (Traube), schmücken. Doch das kann sich ändern.
"Um unser berühmtestes Destillat weltweit zu einem Markenzeichen <Made in Italy> zu machen, haben die italienischen Produzenten in Qualität investiert. Der Grappa ist hochwertiger geworden", argumentiert Italo Maschio, Präsident des nationalen Komitees der Schnapsbrenner. Den Titelschutz aufzuheben, würde Arbeit von 15 Jahren zunichte machen.
In den vergangen Jahren hat der aus Schalen und Kernen gekelterter Weintrauben - also einem Abfallprodukt - gewonnene Digestif eine beachtliche Kariere gemacht. Im Jahr 2004 erreichten die 136 italienischen Destillateure und die rund 1500 mit der Abfüllung und dem Vertrieb beschäftigten Unternehmen einen Umsatz von 600 Mio. Euro. 40 Mio. Flaschen wurden verkauft, der Exportanteil wächst stetig. Mittlerweile verdienen 10 000 Menschen ihr Geld in den norditalienischen Grappa-Regionen Friaul, Venetien, Trentin und Südtirol mit dem Schnaps.
In Perugia wird der Grappa, der im italienischen "die Grappa" heisst, nächstes Wochenende erstmals mit dem Festival "Grappitaly" gefeiert. Dort wird verkostet, welcher Grappa am besten zu Schokolade schmeckt und welcher mit einer Zigarre nach dem Mahl harmoniert. Aber es wird auch darum gehen, wie sich das "nationale Kulturgut Grappa" gegen einen Angriff grosser Spirituosenkonzeme wehren kann.
Gianola Nonino, Vorreiterin der Qualitätsoffensive und Geschäftsführerin des berühmten Familienunternehmens lächelt über den Aktionismus ihrer Kollegen. "Ich wundere mich, dass sich die Destillateure jetzt Sorgen machen. Durch mangelnde Kooperationsbereitschaft haben sie bereits Ende der 80er Jahre die Chance vertan, Grappa als Herkunftsbezeichnung zu schützen."
Nach EU-Gesetzgebung darf zur Zeit nur Tresterbrandwein aus Italien den Namen Grappa tragen. Doch bei der Welthandelsorganisation WTO haben sich Brasilien und Argentinien bereits für die Nutzung des Namens "Grappa" eingetragen. Wie es anders geht, haben die Franzosen gezeigt: Für den Cognac etwa wurde schon früh festgelegt, dass er nur aus dieser Region kommen darf, alles andere ist bloss Weinbrand.
"Wenn wir uns nicht koordinieren, werden wir uns mit der geographischen Herkunftsbezeichnung "Grappa aus dem Veneto oder dem Friaul' zufrieden geben müssen", so Gianola Nonino. Ihrem Unternehmen wird das nicht schaden, denn der Name Nonino ist unter Grappa-Kennern längst als Synonym für Qualitätstresterbrand aus Italien etabliert.


Tages-Anzeiger vom 4. Feb. 2005

"Grüne Fee" ab März wieder legal
Bern. - Ab dem 1. März kann in der Schweiz wieder legal Absinth getrunken und produziert werden. Der Bundesrat hat am Mittwoch die Aufhebung des fast hundertjährigen Verbotes festgelegt und die notwendigen Verordnungsanpassungen verabschiedet. Um die Gesundheit der Konsumenten zu schützen, wurde der zulässige Gehalt des bereits in geringen Mengen psychoaktiven Stoffes Thujon analog den Bitterspirituosen und in Übereinstimmung mit europäischen Bestimmungen limitiert. Ab dem 1. März 2005 ist der Absinth anderen Spirituosen gleichgestellt und wird ebenso besteuert und kontrolliert wie andere alkoholhaltige Getränke. Bis anhin wurden jährlich 10'000 Liter Absinth illegal produziert. (AP/SDA


VADIAN.NET, St.Gallen, Donnerstag, 3. Februar 2005

Absinth wird legal

Bern - Die lange verbotene grüne Fee wird künftig gleich behandelt wie andere Spirituosen. Mit 142 zu 13 Stimmen hat der Nationalrat als zweite Kammer das Absinth-Verbot aus dem Gesetz gestrichen.
rp / Quelle: sda / Montag, 14. Juni 2004 / 17:48 h

Aus der Bundesverfassung war das Absinth-Verbot bereits 1999 eliminiert worden. Eine vom Ständerat angenommene Einzelinitiative von Jean-Claude Cornu (FDP/FR), der inzwischen aus dem Rat ausgeschieden ist, kippte es nun auch aus dem Lebensmittelgesetz. Fortan ist der Absinth, von dem heute jährlich 10 000 Liter illegal produziert werden, dem Alkoholgesetz unterstellt. Er wird so bei Herstellung, Kontrolle, Besteuerung und Prävention den anderen Spirituosen gleichgestellt. Das neuenburgische Val de Travers erhält dadurch eine willkommene Möglichkeit zur Diversifikation.

Absinth. / Foto: logik.de

Bundesrat und Parlament sind überzeugt, dass vom Absinth wegen der für Spirituosen geltenden Thujon-Grenzwerte keine grössere gesundheitliche Gefahr ausgeht als von anderen anishaltigen Getränken. Neu kann die grüne Fee zudem in Präventionskampagnen gegen den Alkoholismus miteinbezogen werden. Beim Absinth werden wie bei anderen Spirituosen die Abgabe an unter 18-Jährige und die Jugend-Werbung verboten sein. Der Bundesrat will nicht, dass hier ein neues Trendgetränk entsteht. Die illegale Produktion habe der grünen Fee das Locketikett eines verbotenen Produkts verliehen. Widerstand leistete im Zweitrat nur noch eine kleine Gruppe um Markus Wäfler (EDU/ZH): Die gesundheitsschädigende Wirkung verschwinde mit der Legalisierung nicht.


Neue Zürcher Zeitung, 13. Dez. 2004

Verführerischer Duft

Unterwegs mit einer Schnapsbrennerei im Weinland

hhö. Ein verführerischer Duft von gebranntem Wasser liegt über dem Vorplatz des abgelegenen "Seehofs" - eingebettet in die Senke des Husemersees bei Ossingen, der sich im Grau des Weihnachtsmonats von der tristen Seite zeigt. Es zischt, brodelt und raucht auf dem Hofplatz von Landwirt René Lang. Lohnbrenner Roland Tuchschmid aus Rheinklingen (TG) schiebt einige Apfelbaum- und Hagebuchenscheiter in den Ofen seiner fahrbaren Schnapsbrennerei, damit der imposante Dampfkessel mit fünf Meter hohem Kamin genügend Dampf produziert. Tuchschmid hat ständig etwas zu tun. Entweder kontrolliert er den Alkoholgehalt des gewonnenen Schnapses, füllt diesen in Korbflaschen ab, dreht an einem Hahnen, betätigt einen Hebel oder schiebt neues, gut gegärtes Brenngut in die drei kupfernen Brennblasen ein.
Alle möglichen Früchte werden in seinem bald 25-jährigen Ungetüm gebrannt - Pflaumen, Zwetschgen, Kirschen, Äpfel, Birnen, Trauben und Traubentrester, sagt Tuchschmid, der während der Wintermonate auf die Stör geht. Die Bauern sind seine Hauptkunden, doch nehmen auch Private seine Dienste in Anspruch. Für einen Liter Schnaps ist ein Brennlohn von vier bis sechs Franken zu entrichten. Dazu muss der Auftraggeber das Brennholz zur Verfügung stellen. Für hundert Kilo Zwetschgen gibt es gegen zehn Liter Branntwein. Kirschen sind wegen ihres relativ hohen Zuckergehaltes gute Schnapslieferanten. Hundert Kilo ergeben bis zu zwölf Liter Kirsch. Natürlich müssen die Qualität des Rohstoffes und die Sauberkeit in der Anlage in Ordnung sein, dann stimmt auch das Endprodukt. Damit der gewonnene Branntwein keine Fremdgerüche aufnimmt, sind Brennblasen, Rohre und Destillieranlage aus Kupfer und Chromstahl gefertigt.
In den einzelnen Brennblasen wird der Rohstoff erhitzt. Bei 78 Grad fliesst das verdampfende Alkohol-Wasser-Gemisch in das Herz der Brennerei - in die Destillieranlage -, wo es unter Abkühlung zu Schnaps verwandelt wird. Tuchschmid unterscheidet beim gewonnenen Produkt zwischen Vor-, Mittel- und Nachlauf. Für den Besteller habe der Schnaps meist einen Alkoholgehalt von 40 bis 50 Prozent, sagt der Brenner. Die Arbeit ist mit vielen Umtrieben verbunden. Für jeden Auftrag muss er Formulare ausfüllen - je eines für sich selber, für den Kunden und für die Eidgenössische Alkoholverwaltung. Der Landwirt kann von einer Freimenge profitieren, während Nichtbauern später eine Steuerrechnung aus Bern erhalten. Die Alkoholverwaltung führt durch Vertrauensleute relativ häufig Kontrollen durch. Wenn die Brennerei einige Tage ausser Betrieb ist, dann wird sie plombiert, sagt Tuchschmid.
Bezüglich der Zukunft dieses langsam aussterbenden Gewerbes ist er zuversichtlich. Es gibt immer wieder Kunden, die zu ihm kommen. Für ihn ist das Brennen ein Hobby - ein Ausgleich zu seiner Arbeit, präzisiert er. Hauptberuflich betätigt er sich als Verkäufer von Futtermitteln und betreut noch 60 Mastschweine. Dass die Grossdestillerien in unserem Land Kirschen aus Osteuropa und Deutschland importieren und den daraus gewonnenen Kirsch als Schweizer Produkt verkaufen, stört ihn nicht. "Legt für Geld Alkohol an. Wo sonst gibt es 40-Prozentigen?", heisst es auf einem an seinem Gefährt befestigten Schild.


Rheintalische Volkszeitung, Do. 11. Nov. 2004

Williamson - The Spirit of the Swiss Highland

Als eine der höchstgelegenen Distillerien der Schweiz stellt das Unternehmen Studer & Co. AG als Edelbrand mit 19 von 20 möglichen Punkten den Williamson - The Spirit of the Swiss Highland vor.

Spezialität für Feinschmecker: Williamson - The Spirit of the Swiss Highland von
der Distillerie Studer & Co. AG, Escholzmatt.
Foto: A Presse.

Die Distillerie Studer & Co. AG in Escholzmatt im Entlebuch zählt nicht nur zu den Spitzenherstellern schweizerischer Edelbrände, sie ist auch eine der höchstgelegenen Distillerien im Lande. Diesen Fakten ist bei Studer ein neues Label entsprungen: The Spirit of the Swiss Highland. Ein Beispiel davon ist der Williamson - the Spirit of the Swiss Highland. Er wurde vom Schweizer Schnapsforum mit 19 von 20 möglichen Punkten prämiert.
Die Brenn- und Kellermeister verwenden für dieses auserlesene Destillat nur gerade die Herzpartie von Studers mit Goldmedaillen prämierten Williams Edelbränden. Diese Brände lagern lange und reifen exklusiv in Schweizer Eichenholz-Barriques. Danach werden sie einer schonenden Filtration unterzogen und schliesslich ohne jegliche Zusätze, naturbelassen auf die von Hand nummerierten und streng limitierten Karaffen abgezogen.
Geniesserinnen und Geniesser, die einer feinen Zigarre nicht abhold sind, sollten es sich nicht nehmen lassen, das Zusammenspiel von Williamson und ihrer Lieblingszigarre zu erproben. Sie werden begeistert sein.
Das kleine, aber auserlesene Sortiment mit dem Label The Spirit of the Swiss Highland (erhältlich im Fachhandel) erkennt man am eigenwilligen Design der Karaffen mit dem Goldknopf als Verschluss. Es umfasst Williamson - Studer Williams Barrique 41 Prozent (Jahrgänge 2000 und 2001), und ab Herbst 2004 Cherrylian - Studer Kirsch Barrique 41 Prozent (Jahrgang 2000) und Plumbell - Studer Prune Barrique 41 Prozent (Jahrgang 2000). Weitere Informationen unter www.distillery.ch

ap.


Das Schweizer Schnaps Forum an der Basler Weinmesse
Zum ersten Mal präsentiert das Schweizer Schnaps Forum die besten Edelbrände der Prämierung 2004 an der Basler Weinmesse. Geniessen Sie diese in aller Ruhe am Stand in der Halle 4 im Parterre.
23. bis 31. Oktober 2004
Öffnungszeiten :
Montag bis Samstag 15 bis 21 Uhr
Sonntag 12 bis 19 Uhr

20. Okt. 2004

Schnapsgala 2004
80 - 100 Gäste trafen sich zur 8. Schnapsgala des Schweizer Schnaps Forums im Restaurant Neumarkt in Zürich. Alle 188 an der Schnapsprämierung 04 ausgezeichneten Destillate, Vieille Produkte und Liköre konnten vom Publikum verkostet werden. Die 16 neuen neuen Titelträger "Schnaps des Jahres" wurden vorgestellt und geehrt. Gleichzeitig wurde der Wettbewerb um die "Goldene Schnapsnase 2004", die erste inoffzielle Schweizermeisterschaft im Schnapserkennen durchgeführt.


Tages-Anzeiger, 16. Okt. 2004

Von den Wirten wird eine glasklare, Chance vergeben

Schweizer Edelbrände finden in der Gastronomie nur zögerlich Anklang.

Was qualitativ hoch stehende, einheimisehe Schnäpse angeht, hat die Schweizer Gastronomie Nachholbedarf. Zwar führen Szenelokale oftmals eine stattliche Anzahl schottischer Whiskys, parfümierter Wodkas oder diverse Rums. Bestellt der Gast aber einen Pflümli, wird er schräg angeschaut. In ländlichen Beizen ist die Schnapsauswahl ebenfalls beschränkt - auf ein paar einfache gebrannte Wasser, die höchstens für den Kafi fertig taugen. Besteht überhaupt ein Markt für edle Schweizer Destillate?

Eric Blass, Trend-Gastronom in Zürich (Talacker, Rimini), meint, dass seine Kundschaft eher auf Mixgetränke anspreche: "Einen Zwetschgen-Tonic gibt es aber nicht", verdeutlicht er das Argument. Analog zum Rum- und Whisky-Trend, der ganz klar von Herstellerseite "gemacht" worden sei, müsste auch bei Schweizer Schnäpsen vorgegangen werden: "Der vertraute Lieferant kommt meistens grad mit einer Zwölferpackung und lässt uns dann machen." So werden nach Blass' Meinung Marktanteile gewonnen.

Erwin Leo Stocker vom Restaurant Stockers Degusta in Interlaken schätzt Schweizer Schnäpse zum Kochen: "Wild kann man hervorragend mit Enzianschnaps abschmecken", sagt er. "Dass eine Hummersuppe ohne Sherry nach nichts schmeckt, weiss man schon lange." Zu Graved Lachs serviert er gerne einen Bierbrand nebenher. Oder zum Birnensorbet einen schönen Williams. Ähnlich wie Blass meint auch Stocker, dass die Brenner mehr fürs Image ihrer Produkte tun sollten: "Schliesslich wollen sie etwas verkaufen", sagt er.

Die Produzenten markierten an Messen oder Gewerbeausstellungen genügend Präsenz, findet hingegen Hansueli Zuber. In seinem Restaurant zur Mühle in Oberentfelden hat er neben 300 schottischen Whiskys auch 100Schweizer Edeldestillate auf der Karte, die sich gut verkaufen. Seiner Meinung nach liegt es an den Wirten, die Initiative zu ergreifen. Herausragende Brenner kennen zu lernen, sich für die Geschichten hinter den Schnäpsen zu interessieren: "Produktekenntnisse sind das A und O, will man den Gästen Edeldestillate verkaufen." Er erzähle den Leuten vom "Heuschnaps" oder dem "Spargelgeist". In den meisten Fällen wecke das Interesse. Zuber ist überzeugt davon, dass sich auf diesem Weg sogar die Umsätze steigern lassen: "Mit einem Sortiment von etwa zwanzig guten Schnäpsen holt ein Wirt schnell mal zehn Prozent Umsatz heraus." (boe)


Humbel feiert

Die Spezialitätenbrennerei Humbel in Stetten/AG feierte die Einweihung der neuen Brennerei mit einem Tag der offenen Tür. Inhaber und Betriebsleiter Lorenz Humbel durfte zu diesem Anlass über 1000 grosse und kleine Gäste empfangen. Mehr als 700 Personen benutzten die Gelegenheit in einem spielerischen Wettbewerb den Geruchsinn zu trainieren. 6 verschiedene Destillate mussten nur mit Hilfe der Nase bestimmt werden. Eine gar nicht so einfache Sache.

Nach einem Besichtigungsrundgang durch Obstkulturen, Brennerei und Lager, konnte im neuen Schauraum eine reiche Auswahl von Humbel-Destillaten degustiert werden. Eine Festwirtschaft sowie ein Unterhaltungsprogramm sorgte bis spät abends für das leibliche und seelische Wohl.
Bereits am Vorabend hatte Lorenz Humbel Freunden des Hauses, Kunden und Pressevertretern die neuen Anlagen gezeigt. Während des vorzüglichen Nachtessens in der neuen Brennerei unterhielt die, mit dem Eidgenössischen Jodlerverband verkrachte, Jodlerin Christine Lauterburg die Gäste mit ihren leicht schrägen, stimmlich jedoch überzeugenden Darbietungen.

12.09.04 hjz


Tages-Anzeiger vom 17. Juni 2004

Kaufhaus-Schnaps statt "grüne Fee"

Das Absinth-Verbot ist aufgehoben. Im Val-de-Travers, wo der Schnaps herkommt, hört man die Frage: Was bleibt von der "grünen Fee" ohne den Mythos des Verbots?

Von Richard Aschinger, Môtiers


BILD David Marchon/L'EXPRESS

Erstmals mit legalisiertem Getränk: Kommenden Samstag findet in Boveresse das Absinth-Fest statt.

Am vergangenen Montag hat der Nationalrat beschlossen, den 1910 verbotenen "National"-Schnaps des Val-de-Travers zu legalisieren. Die übermorgen Samstag in Boveresse gefeierte Fête de 1'Absinthe erhält damit einen speziellen Reiz. Zwar ist das Gesetz noch nicht in Kraft. Aber die Flaschen mit von Kleinproduzenten illegal gebrannter "grüner Fee" werden dieses Jahr wohl weniger versteckt unter dem Tisch gehandelt als bisher. Auf der Gemeindekanzlei klingelt ständig das Telefon: Nicht ohne Stolz erklärt Gemeindeschreiber Nicolas Tripet, sogar ein amerikanisches Fernsehteam sei angemeldet.
Am gleichen Tag hatte der Nationalrat die Legalisierung von Marihuana verweigert. Auch das ist im "Vallon" ein heisses Thema. Vor drei Wochen hatte die Polizei in 11 Hallen und Stollen 33'000 Marihuanapflanzen entdeckt. Die Hanfindustrie hatte über mehrere Jahre funktioniert. Vielerorts stellt man sich da die Frage, wie es kommt, dass die in Drogenfragen harte Neuenburger Polizei nie etwas gemerkt haben will und den Marihuana-Ring just zwei Wochen vor der Legalisierungsabstimmung im Nationalrat platzen liess.

Die Folgen eines "Drogen"-Mords
In der Kantonshauptstadt war die Rede von einer Geheimnismentalität, welche die Bevölkerung des Tals mit der illegalen Produktion von Absinth jahrzehntelang eingeübt habe. Aber da protestieren Einheimische vehement: Absinth und Cannabis seien im "Vallon" zwei völlig verschiedene Themen, sagt zum Beispiel der Historiker Pierre-Andre Delachaux, der in Môtiers ein kleines Absinth-Museum führt. Die Produktion von Absinth und der Widerstand gegen das Verbot aus Bern seien Teil der Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Bei den jetzt ausgehobenen Hanfplantagen gehe es nur um schnelles Geld von ein paar schlauen Leuten.
Ausgelöst wurde das Absinth-Verbot zu Beginn des letzten Jahrhunderts durch einen "Drogen"-Mord: Im Waadtland hatte ein Vater im Vollrausch seine Familie erschossen. Wie sich später herausstellte, hatte er wahrscheinlich Wein - und nicht Absinth - gesoffen. Die Schuld an der Wahnsinnstat gab man dem Thujon-Gehalt des Kräuterschnapses. In einer Petition verlangten Weinbauern ein Absinth-Verbot, und das Schweizervolk setzte den Verbotsartikel 1908 mit grosser Mehrheit in die Verfassung.
Für die Talbevölkerung war das ein harter Schlag: Von Couvet über Boveresse bis Fleurier hatten Hunderte in der Absinth-Produktion Arbeit gefunden: Ausgedehnte Kräuterpflanzungen, Trocknungshallen und Distillatoren prägten die Ortsbilder. 3600 Liter Absinth pro Tag wurden im "Vallon" produziert. 3000 Liter pro Tag verkaufte man ins Ausland, bis in die USA. Über Fleurier, so liest man in Talgeschichten, sei ständig eine Anis-Wolke gehangen.
Nach dem Verbot ging die Produktion in reduziertem Umfang weiter. 60 bis 80 Produzenten soll es heute geben. Die meisten kaufen reinen Alkohol brav und versteuert von der Eidgenössischen Alkoholverwaltung. Die liebevoll "rösistents" genannten illegalen Brenner destillieren in Kellern, Ställen und verdunkelten Schuppen.
Offiziell herrscht jetzt Freude über die Legalisierung: Sylvan Piaget, Präsident der Vereinigung Val-de-Travers, sieht das als Chance für das Tal. Man verspricht sich Arbeitsplätze und einen Imageträger für das seit der Uhrenkrise der Siebzigerjahre wirtschaftlich bedrängte Tal.

Der Mythos verschwindet
Aber nicht nur Delachaux ist da anderer Ansicht. Bis 1908 sei Absinth einfach ein erfolgreiches Produkt der lokalen Wirtschaft gewesen, erklärt der Historiker "Erst das Verbot hat den Mythos geschaffen". Wäre der Schnaps nicht im Verborgenen produziert worden, hätte niemand in Gemälden von van Gogh oder Picasso den Absinth-Effekt gesucht. "Die Legalisierung tötet den Mythos, und ohne Mythos wird Absinth zum banalen Massenprodukt". Statt 60 individueller Absinthe gebe es künftig Standardprodukte von zwei, drei von der Alkoholverwaltung konzessionierten Produzenten.
Das Tal müsse auch damit rechnen, dass der Name Absinth von anderen gekapert werde, sagen Piaget und Delachaux. Pontarlier nenne sich bereits "Welthauptstadt des Absinths". Zur Schadensbegrenzung will man rasch eine Ursprungsbezeichnung schützen lassen. Der Mythos. sei zwar nicht zu retten, sagt Delavaux, aber das Val-de-Travers sollte der Nachwelt diese Geschichtsepoche wenigstens mit dem Namen "Wiege des Absinths" in Erinnerung rufen dürfen.


Tages-Anzeiger vom 15. Juni 2004

"Grüne Fee" wird legalisiert

Bern. ? Die lange verbotene "grüne Fee" wird künftig gleich behandelt wie andere Spirituosen. Mit 142 zu 13 Stimmen hat der Nationalrat am Montag als zweite Kammer das Absinth?Verbot aus dem Lebensmittelgesetz gestrichen. Fortan ist der Absinth, von dem heute jährlich 10'000 Liter illegal produziert werden, dem Alkoholgesetz unterstellt. Er wird so bezüglich Herstellung, Kontrolle, Besteuerung und Prävention den andern Spirituosen gleichgestellt. Das neuenburgische Val?de?Travers erhält dadurch eine willkommene Möglichkeit zur Diversifikation.

Bundesrat und Parlament sind überzeugt, dass vom Absinth wegen der für Spirituosen geltenden Thujon?Grenzwerte keine grössere gesundheitliche Gefahr ausgeht als von andern anishaltigen Getränken. Neu kann die "grüne Fee" zudem in Präventionskampagnen gegen den Alkoholismus mit einbezogen werden.

Auch für Absinth werden die Abgabe an unter 18?Jährige und die Jugendwerbung verboten sein. Der Bundesrat will nicht, dass hier ein neues "Trendgetränk" entsteht. Die illegale Produktion habe der "grünen Fee" "das Locketikett eines verbotenen Produkts" verliehen. Widerstand leistete gestern nur noch eine Gruppe um Markus Wäfler (EDU, ZH): Die gesundheitsschädigende Wirkung verschwinde mit der Legalisierung nicht. (SDA)


4. Mai 2004

"Kirsch Salon"

Am Abend des 4. Mai, Schlag 17.00 Uhr, stach das altehrwürdige Dampfschiff "Stadt Rapperswil" mit etwa 100 geladenen Gästen in den Zürichsee. Die Interessengemein-schaft Kirsch (IG Kirsch) hatte zu einer Promotionsfahrt "Schweizer Kirsch aus Schweizer Kirschen" geladen. An Bord hatten die Geladenen Gelegenheit an verschiedenen Ständen vielfältige Kirsch-Typen zu verkosten, an einem Buffet kirschene Köstlichkeiten zu naschen und sich Kurzseminaren verschiedene Aspekte der Kirschproduktion erklären zu lassen.

Die Kurzseminare :

  • Zahlen und Fakten zum Thema "Schweizer Kirsch aus Schweizer Kirschen" mit Hansjürg Zehnder, ehemaligem Mitarbeiter Forschungsanstalt Wädenswil
  • Einführung in die Degustation anhand unterschiedlicher Kirschtypen durch
    Peter Dürr, Leiter Brennereiwesen, Forschungsanstalt Wädenswil
  • Kirschenland Schweiz : Was es zu der unglaublichen Sortenvielfalt (500 Varietäten) alles zu sagen gibt mit Sabine Gantner, Forschunganstalt Wädenswil
  • Kirsch und Zigarre, Ursula Beutler, Verantwortliche Einkauf Weine und Spirituosen
    Globus entfacht im Fumoir der «Schloss Rapperswil» Feuer und sorgt für rauchige Köpfe – und würzigen Duft.

Destillata-Resultate 2004

An der weltgrössten Schnapsprämierung, welche dieses Jahr unter neuer Leitung in Kloster Neuburg bei Wien durchgeführt wurde, ging es auch dieses Jahr wieder um Punkte und viele Titel.

Platz 1 : Edelbrenner des Jahres

Unschlagbar . . .
. . . war er auch heuer wieder für die Konkurrenz, der Siegfried Herzog aus Saalfelden in Salzburg.

Platz 2 : Edelbrenner des Jahres - Silber

Unaufhaltsam . . .
. . . auf dem Weg nach ganz oben befindet sich der Vorarlberger Albert Büchele von der Brennerei Michelehof in Hard. Jahr für Jahr brennt er sich weiter nach vorne, und eng, wie es an der Spitze nun mal ist, ist er nur noch ganz knapp vom totalen Triumph entfernt.

Platz 3 : Edelbrennerin des Jahres - Bronze

Unverzichtbar . . .
. . . im Reigen der Starbrenner ist die steirische Brennerikone Waltraud Jöbstl. Wer auch immer bei der Destillata um den Sieg kämpft, an Waltraud Jöbstl muss er erst einmal vorbei.

Die Schweizer nicht ganz so gut wie auch schon :

Arnold Dettling AG
Olympstrasse 10
6440 Brunnen

  • Wildkirsche, L03-701
    Sauber; elegant-aromatisch, frisch-fruchtig in der Nase; vielschichtig aufgebaut; harmonisch abgerundet am Gaumen; kräftig und nachhaltig ausklingend.
    18 Pkte. Schnaps de Jahres

  • Kirsche Reserve, L03-511
    Sauber; etwas dumpfe, eigenwillige Nase mit atypischer Schokoladen-Note; voll-würzig am Gaumen; endet mit leichter Schärfe.
    16 Pkte. Silbermedaille

  • Kirsche Lampnestler, L03-602
    Sauber; dezente, verhaltene Frucht in der Nase; am Gaumen nicht sehr ausgeprägt; sollte mehr Körper haben; etwas alkoholisch im Abgang.
    16 Pkte. Silbermedaille

  • Kirsche Lauerzer, L03-601
    Sauber; nur sehr dezente Kirsch-Noten in der Nase; am Gaumen etwas flach und leicht belegend; bittere Noten im Abgang.
    15 Pkte. Bronzemedaille


André Abt
Trotte 207
4316 Hellikon

  • Zwetschgen
    Leicht unsaubere, fuselige Töne; dezente, breite Frucht in der Nase; am Gaumen wenig Charme und recht scharf im Abgang
    15 Pkte. Bronzemedaille

Ausführliche Berichte auf der Internetseite der Destillata


Tages-Anzeiger, 13. März 2004

Bundesrat will Absinth-Verbot aufheben

Bern. - Die Legalisierung der «grünen Fee», wie der Absinth geheissen wird, soll nicht dazu führen, dass aus der anishaltigen Spirituose ein neues Trendgetränk wird. Der Bundesrat hat zu einer parlamentarischen Initiative Stellung genommen und sich für die Abschaffung des Absinth-Verbots ausgesprochen. Heute werde das Absinth-Verbot als immer weniger zeitgemäss eingestuft, denn bei der Spezialität aus dem Val-de-Travers handle es sich um eine mit anderen Schnäpsen vergleichbare Spirituose. (AP)


Prättigauer & Herrschäftler, 7.2.04

Maienfeld : Symbiose zwischen Schnapsbrenner und Spitzenkoch

(mak) "Dine & Destillat". Übersetzung: Speisen, und durch Reinigen und Trennen von Stoffen mittels Verdampfen und wieder Verflüssigen ein scharfes Wässerchen gewinnen. Dazu benötigt man einen Koch und einen Brenner. Anders ausgedrückt, bieten der Destillateur Martin Kunz-Keller aus Maienfeld und der Gastronom der Mühle Fläsch Martin Herrmann unter eben diesem Label, "Dine & Destillat" ein Gaumenerlebnis der speziellen Art an.

 

 

 

 

Die ganze Familie arbeitet im Betrieb: an der Duftbar von links: Margrith, Ariane, Martin und Carina Kunz


Symbiose: Im Fremdwörterlexikon nachgeschlagen steht da: Zusammenleben von Lebewesen verschiedener Art zu gegenseitigem Nutzen. Gegenseitiger Nutzen, eine Verbindung eingehen und Initiative sind in unserer wirtschaftlich nicht einfachen Zeit gefragt. Das haben sich auch die zwei Martins gesagt; Martin Kunz-Keller, der Destillateur aus Maienfeld und Martin Herrmann der Koch und Gastronom der Mühle Fläsch - schon die zwei Martins versprechen Harmonie, eine Symbiose. Der eine macht aus Bergheu, das er im Fondei erntet, einen wohlriechenden Geist; einen sehr gut trinkbaren, der andere verwendet eben diesen Geist gekonnt für die kulinarische Abrundung einer Schanfigger Heusuppe und das Ganze nennt sich "Dine & Destillat".

von Spargel bis Vogelbeeren
Starten wir in der Destillerie, der Schnapsbrennerei von Kunz in Maienfeld. Unglaublich, was da alles anzutreffen ist. Früchte und Gemüse aller Sorten aus der näheren Umgebung werden in Flaschen gebannt. Rüebli, Randen, Spargel bis Kartoffel, und Himbeeren, Erdbeeren, Holunder bis Vogelbeeren, insgesamt 24 Sorten sind in destillierter Form anzutreffen. Noch etwas; "Duftbar", auch das tönt in unseren Ohren relativ unbekannt. Höchstens verschiedene Flacons mit Parfüm könnte man sich vorstellen. So ähnlich ist es.

Duftbar
Auf einem runden Tischchen stehen mindestens 20 Flaschen mit verschiedenen Destillaten, davor langstielige, unten bauchige, nach oben hin verengende und wieder leicht öffnende Schnapsgläschchen mit dem jeweiligen Inhalt. Genauso wichtig wie ein feiner Brand sei auch das richtige Glas, erklärt Margrith Kunz, die Ehefrau von Martin Kunz. An diesen Gläsern mit Inhalt kann geschnuppert werden, zwecks Feinsortierung der Vorlieben und Verhinderung einer allzu starken Vergeistigung. "Häpiara", Kartoffeln, sagt Margrith Kunz, seien früher schon für die Herstellung von Schnaps verwendet worden, einem ziemlich starken in der Regel. In der Brennerei Kunz entsteht auf der modernen, computergesteuerten Anlage aus "Häpiara" ein wohlriechendes, feines Edeldestillat.

Standortwechsel
Wechseln wir den Standort. Auf nach Fläsch in die Mühle, denn dort überraschen Martin und Bernadette Herrmann mit einem Menü, das sich ausgiebig den in der Destillerie

 

 

 

 

Wirtin Bernadette Herrmann sprüht einem Gast etwas Bärlauchgeist über den Wolfsbarsch

gewonnenen Edeldestillaten widmet. Die Vorspeise besteht aus einer Buttermilchterrine mit Rauchlachs und einem Salatsträusschen über das Bernadette Herrmann etwas Rüebligeist sprüht. Der Geschmack der Randenklösschen in der Sellerieschaumsuppe wird mit Randendestillat verstärkt. Bärlauch kennt man als Pesto oder in Weisswürsten. Dass sich aber Bärlauchgeist bestens eignet um Salate und Saucen zu würzen, erfährt man erst, indem man Wolfsbarsch an Bärlauchgeist-Sauce im Munde zergehen lässt.

der Komponist
Der Komponist dieser Menüs, der mit14 Gault-Millau Punkten ausgezeichnete Herrmann, versteht es vorzüglich, die Edeldestillate von Kunz in seine Menüs einzubinden. Laut Margrith Kunz ist es zu empfehlen, das Menü mit den dazugehörenden Edeldestillaten zu geniessen, um das Gaumenerlebnis zu verstärken und nicht unbedingt, wie gewohnt eine Flasche Wein zu bestellen. Der ebenfalls anwesende Lebensmittelingenieur der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau, Peter Dürr rechnet kurz und sagt, dass die gereichte Menge von vier kleinen Gläschen ungefähr zwei Dezilitern Wein entspreche. Bis Ende Februar bieten Bernadette und Martin Herrmann ihren Gästen das Menu "Dine & Destillat" an, am 20. Februar zusammen mit dem Schnapsbrenner Martin Kunz. Welche Pläne die beiden Martins für die Zukunft aushecken, um ihre Symbiose zu verstärken, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Infos & Reservationen:
D' Mühle z' Fläsch
7306 Fläsch GR
Telefon 081 330 77 70
hermis.muehle@bluewin.ch
Martin und Margrith Kunz-Keller
Weinbau-Destillerie
CH-7304 Maienfeld
Tel. 081 330 15 55, Fax 081 330 15 44
info@kunz-keller.ch, www.kunz-keller.ch

Tages-Anzeiger vom 28. Jan. 2004

Eidg. bew. Schnapsidee

 

 

 

 

 

 

 

 

Corpus Delicti: Fritz Hintermann mit dem Deckel des seit über 70 Jahren
nicht mehr benützten Brennkessels.

70 Jahre lag ein Kupferkessel zum Schnapsbrennen auf einem Estrich in Weiningen, vergammelt und vergessen. Nun hat ihn Bundesbern aufgestöbert.

Von Ruedi Baumann

Punkt 8 Uhr schrillte bei Fritz Hintermann aus Weiningen das Telefon. Und das an seinem 50. Geburtstag. Ein Mann von der Eidgenössischen Alkoholverwaltung war am Apparat. Er wolle die Schnapsbrennerei kontrollieren. Hintermann jedoch ist weder Schnapsbrenner noch Bauer und weiss nichts von einer Schnapsbrennerei. Doch der Mann von der Verwaltung beharrte auf seinem Auftrag. In Hintermanns über 100-jährigem Bauernhaus sei ein Schnapsbrenner mit 180-Liter-Kupferkessel registriert. Und den müsse er entweder kontrollieren oder ausser Betrieb setzen.
Fritz Hintermann durchwühlte den Estrich nach Gerätschaften, die irgendwie mit einer Schnapsbrennerei zutun haben könnten. Und er fand einen verbeulten Kessel samt Deckel. Auch ein verbogenes Rohr lag herum, das ebenso gut von einem Bettgestell stammen könnte. "Vor über 70 Jahren hat mein Grossvater zum letzten Mal Schnaps gebrannt", recherchierte Hintermann mit Hilfe seines Vaters.
Gestern Morgen war in Weiningen Kontrolltermin. Friedrich Zemp von der Eidgenös-sischen Alkoholverwaltung fährt vor und beschaut sich den Kessel. Er findet auf einem aufgelöteten Schildchen eine Nummer, die mit dem Eintrag in seinen Akten überein-stimmt. In den 40er-Jahren erfasste der Bund alle Brennkessel und nummerierte sie durch. Ziel war die Verminderung des Schnapskonsums. Mit geübtem Griff entfernt Zemp das Schildchen. " Jetzt kann ihn meine Frau haben, um Blumen darin anzupflanzen", sagt Hintermann mit zaghaftem Humor. Er ist noch immer irritiert über den eigenartigen Besuch.

Das Geistrohr" wird ausgeschäumt
Doch nun beweist Friedrich Zemp, dass er tatsächlich ein Profi ist. Das gekrümmte Rohr identifiziert er als "Geistrohr". Über dieses Rohr strömten die heissen Dämpfe, die dann im Kondensator abgekühlt wurden. Doch diesen fand Hintermann nicht mehr. Trotzdem setzt Kontrolleur Zemp das von Grünspan angegriffene Rohr fachgerecht ausser Betrieb: Er füllt es mit Polyurethanschaum.

Die grosse Wut über die Bürokratie
Jetzt muss Fritz Hintermann ein Protokoll unterschreiben. Sein Schnapsbrennrecht, von dem er allerdings gar nichts wusste, ist damit offiziell gelöscht. Nun packt ihn doch noch die grosse Wut. "Als Staatsbürger und Steuerzahler kann ich nicht begreifen, welche Bürokratie heutzutage trotz leeren Kassen noch immer betrieben wird." Kontrolleur Zemp hat Verständnis für das Unverständnis seines "Kunden". Doch er wehrt sich. "Das Alkoholgesetz in vielen Nachbarländern ist noch viel strenger." Was er macht, ist Teil seines Jobs. 2003 waren in der ganzen Schweiz 10'000 Schnapsbrenner registriert. Die muss die Eidgenössische Alkoholverwaltung wieder unter Kontrolle bekommen. Wie Anno 1940.


Grappa: Länderspiel Italien-Schweiz : Zitterpartie für die Tifosi

Stefan Keller

Wie gut sind sie wirklich, die hochgelobten und teuer bezahlten italienischen Edelgrappe?
Ein Team des Schweizer Schnaps Forum reiste ins Mutterland des Tresterbrands, mit im Gepäck elf einheimische Destillate, und forderte zum Zweikampf heraus. Die Italiener kamen mit einem blauen Auge davon.

Ein Jahr ist's her, da veranstaltete das Schweizer Schnaps Forum in Zürich das Traumfinale: Schweiz-Italien. Eine Squadra von elf italienischen Grappe spielte gegen ebenso viele Tresterbrände aus der Schweiz. In ausgelosten Paarungen - allein der Spielleiter kannte die Verteilung - kam es zu elf Zweikämpfen. Die Degustatoren hatten bloss zu entscheiden, welches der beiden Gläser
sie bevorzugen, den Kelch links oder den Kelch rechts. Im Zürcher Neumarkt erlitt die Squadra azzurra eine veritable Schlappe: nur gerade zwei Mal vermochten sich ihre Stars gegen die tiefklassiger eingestuften Schweizer durchzusetzen. Das Treffen endete 9:2 und ging als "Das Wunder von Zürich" in die Geschichte ein.
Das Resultat macht misstrauisch. Lag es an einer unausgewogenen Auswahl? Kam den Schweizern grosses Losglück zugute? Oder - so die heisseste Vermutung - liegt es an der Konditionierung, an der speziellen Ausformung helvetischen Geruchs- und Geschmackssinns? Dagegen sprach eigentlich, dass kaum einer der Degustatoren in Zürich in der Lage war, verlässlich das Herkunftsland einer Probe zu bestimmen. Wie auch immer: das irritierende Resultat verlangte nach einer Überprüfung, und zwar auf italienischem Terrain, mit einer Squadra azzura von einem italienischen Coach zusammengestellt und mit italienischen Degustatoren. So geschehen Mitte November 2003 im Val Chiavenna in der Lombardei.
Die Schweizer Elf, anhand der Resultate der vom Schweizer Schnaps Forum jährlich durchgeführten nationalen Prämierung selektioniert, wurde von einem halben Dutzend Schlachtenbummlern begleitet, die auch als Degustatoren zum Einsatz kamen. Die italienische Auswahl oblag dem lokalen Präsidenten der AIS (Associazione Italiana Sommeliers), der ebenfalls ein halbes Dutzend Degustatoren aufgeboten hatte.
Nach den ersten drei Rencontres sah man geknickte Schweizer und strahlende Tifosi und der italienische Coach schien vor Zufriedenheit - also, wir wussten es doch! - fast zu zerplatzen. Zweimal das Verdikt 11:1 und einmal 8:4, für die Schweizer zappenduster, ohne Wenn und Aber.
Der einzige Tessiner Spieler im Schweizer Team (Grappa Nostrano Paravicini), rustikal und nicht ganz stilsicher, ging gegen den souveränen Dolcetto von Marolo unter, und so erging es auch dem diskreten Spiezer Grapbianca gegen den überschwänglichen Moscato Rosa aus dem Rennstall von Zeni. Mehrheitlich gab die Jury auch dem aufgezuckerten und folglich lieblichen Gaiarino von Mascio gegenüber dem herbwürzigen Syrah des Lauerzers Toni Z'Graggen den Vorrang. War der Mist bereits geführt und alles nur noch eine Frage des Resultats? Diese Stimmung lag in der Luft - bis die vierte Paarung aufgedeckt wurde. Sie brachte den ersten Punkt für die Schweiz, erzielt durch den Semi-Schweizer Telsner aus Lichtenstein. Sein lupenreiner Blauburgunder Marc liess den Ribolla aus dem Brennhafen der Grappa-Legende Nonino ins Leere laufen. Doppelt irritierend für die Tifosi war der Umstand, dass sie - wie bis anhin - die Provenienz des Siegers in ihrem Land vermuteten. Bös erging es auch Vittorio Capovillas Grappa gegen den Marc vom Schloss Heidegg; ebenso plötzlich wie unerwartet schien der Ausgang der Partie wieder offen. Eigentlich hätte der nächste Punkt den Ausgleich bringen sollen, standen sich doch Schlossherr Gian-Battista von Tscharner und der Südtiroler Feldmarschall Tiefenbrunner gegenüber, beide mit einem Brand aus Müller-Thurgau-Trester. Tscharners federfeiner Marc aus RieslingxSilvaner wurde in der Prämierung 2003 des Schweizer Schnaps Forum zu Recht als "Schnaps des Jahres" ausgezeichnet; er unterlag mit einem Verhältnis von 9:3 gegen den lauten und sich zugleich ausgesprochen lieblich gebärdenden Feldmarschall aus dem Alto Adige.
Zwei Punkte Vorsprung für die italienischen Grappe! Und sie machten weiter Druck. Der strenge Sforzato aus der Valtellineser Distillerie Schenatti servierte den zarten RxS-Tresterbrand des Luzerner Winzers Toni Ottiger ab. Die nächste Rencontre zwischen dem Pinot gris-Marc von Gian-Battista von Tscharner und dem Sfursat-Grappa von Negri (destilliert von Schenatti, Tirano) endete mit einen Remis und mit dem Zwischenstand von 5:3. Soviel stand zu diesem Zeitpunkt bereits fest: für die Eidgenossen lag im besten Fall noch ein Unentschieden drin. Dafür kämpften sie wie die Löwen mit einem RxS der Weinbaugenossenschaft Oberhofen, der den Sarpa aus dem renommierten Hause Poli klar distanzierte und dem spektakulären Marc de Muscat des Seeländers Heinz Zürcher, der Antinoris Tignanello mit einem 12: 0 demütigte. Nur noch einen Punkt lagen die Italiener vor dem entscheidenden letzten Gang in Vorsprung, die Stimmung hatte den Siedepunkt erreicht. Die letzte Auslosung - ein Kampf der Titanen. Angelo Gaja versus Dani und Martha Gantenbein, Nebbiolo versus Riesling x Silvaner. Ungewöhnlich homogen bevorzugten die beiden Degustatorengruppen (Schweizer/Italiener) das Produkt aus ihrem Herkunftsland. Den Ausschlag gaben die Abweichler: auf italienischer Seite einer, auf Schweizer Seite zwei, und damit kam das entscheidende 7:5 für Italien in der letzten Paarung zu Stande. Auf der Anzeigetafel leuchtete gross das Schlussresultat: Italia-Svizzera 7:5!
Nachdem der erste Pulverdampf verzogen ist, zeigt die Spielanalyse Folgendes: die Bewertungen innerhalb der beiden Gruppen (die Resultate der je sechs Degustatoren aus der Schweiz beziehungsweise aus Italien separat ausgewertet) sind identisch mit dem Gesamtresultat. In beiden Teams wurden je 36 Stimmen für die italienischen und 32 Stimmen für die schweizerischen Tresterbrände abgegeben. Je vier von sechs Degustatoren bevorzugten knapp die italienischen Brände. Aber: je ein Schweizer und ein italienischer Degustator - und zwar die versiertesten! - bevorzugten ganz klar die Destillate ihres Herkunftslandes. Denn Unterschiede sind für geübte Verkoster - wenn auch nicht in jedem Fall - durchaus erkennbar und lassen sich zuordnen. Italienische Grappe beispielsweise sind im Geschmack oft süsslich, denn das Beifügen von Zucker ist hier nicht nur erlaubt, im Gegensatz zur Schweiz, sondern praxis. Bei der nationalen Prämierung des Schweizer Schnaps Forum sind Brände mit Zuckerzusatz - ausser es handelt sich um Vieilles Produkte oder Liköre - verpönt. Eine weitere Schweizer Eigenart: viele Brände werden aus Trestern weisser, aromatischer Varietäten gebrannt (RieslingxSilvaner, Pinot gris, Gewürztraminer). Sie ergeben oft duftige und zarte Destillate und sind im Vergleich zu Trestern roter Sorten (Nebbiolo, Barbera, Sangiovese) von anderem Schrot und Korn.

Vorschau:
Die nächste Runde des erstmals und öffentlich durchgeführten Vierländerkampfs findet am 6.Februar 2004 im Vorarlberg statt. Österreichische Stein- und Kernobstbrände duellieren sich mit Schweizer Destillaten.
Weitere Informationen und Anmeldungen unter www.schnapsforum.ch


     
    Webmaster: Schnapsforum  •