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Arnold Holstein
GmbH
Brennereieinrichtungen - Kupferschmide - Apparatebau
Am Stadtgraben 15
D-88677 Markdorf
Telefon: +49 7544 9528-0
Telefax: +49 7544 9528-20
E-Mail: info@a-holstein.de
Internet: www.a-holstein.de
Markdorf,
mitten im Obstan-baugebiet auf der deutschen Bodenseeseite. Ich suche
die Firma Arnold Holstein, Hersteller von weltweit bekannten Brennan-lagen
und -geräten. Adresse: Am Stadtgraben 15. "Fahren Sie die Strasse
500 Meter hoch, dann sehen Sie auf der linken Seite Parkplätze. Das
ist die Firma Holstein", rät mir ein älterer Mann. Ich
fahre die Strasse hoch und befinde mich schon im Neubau-gebiet am Berghang.
Hier kann nie ein Stadtgraben gewesen sein. Umdrehen. Ich fahre die Strasse
wieder hinunter und nehme die erste grössere Abzweigung nach rechts.
Da sind Parkplätze und da gibts auch eine Art Windrad als Firmentafel
: "Holstein". Ich suche den Empfang. Den gibts nicht. Ich gehe
eine Rampe hinauf und befinde mich mitten auf einem Werkhof mit alten
Brennhäfen, Metalllager, Lastwagen, die be- und entladen werden.
Mitten drin mein Kontaktmann, Volker Dietrich, im Gespräch mit zwei
Kunden. Dietrich ist studierter Maschinenbauer, wenige 100 Meter von hier
ist er geboren. Schon als fünfjähriger Knirps hat er geholfen
beim Brennen. Heute ist er für den Export von Holstein-Brennereien
zuständig. Nächstens fliegt er nach Argentinien, wo eine industrielle
Obstbrennerei gebaut werden soll.
Dietrich
führt mich durch den Betrieb. Eine Kupferschmiede habe ich mir weit
lärmiger vorgestellt. Im grossen Endfertigungsraum steht eine ganze
Anzahl von unterschied-lich grossen Brennanlagen. Soeben fertiggestellte
als auch alte, frisch renovierte. Auch die Anlage, vor der ich stehe,
hat Holstein an Zahlung genommen. Sie wurde komplett auseinandergenommen,
kontrol-liert, renoviert, wieder zusammen-gebaut und nun sieht sie aus
wie neu. Nächstens wird sie der neue Besitzer abholen. Die 150-Liter-Anlage
gegenüber ist dagegen brandneu. Die polierten Metallteile sind mit
Plastikfolie gegen das Verkratztwerden geschützt. "Hier stehen
nur Anlagen, welche bestellt worden sind. Wir arbeiten nicht auf Vorrat.
Wir haben bis auf wenige Ausnahmen auch keine vorgefertigten Einzelteile."
Holstein produziert und verkauft etwa 200 Kleinbrennanlagen (bis 150 Liter)
und 2 - 4 industrielle Anlagen (bis 3'000 Liter) pro Jahr. Dietrich schätzt,
dass dafür jährlich gegen 40 Tonnen Kupfer verarbeitet werden.
In
einem kleineren Raum neben der Endfertigung geht es nun aber wirklich
laut zu und her. Hier wer-den die Brennblasen und Helme geformt und gehämmert.
Zwei Männer ziehen ein Blasenoberteil langsam und gleichmässig
durch eine Hammermaschine. Immer nach einer vollen Drehung wird das Werkstück
um ein paar Zentimeter nach oben verschoben und das Hämmern beginnt
von vorne. Durch das Hämmern wird das Werkstück geformt und
gleichzeitig gehärtet. Langsam bildet sich die Rundung der Blase
heraus. Die gleichmäs-sige Formung einer Brennblase oder eines Helms
ist Spezialistenarbeit und braucht viel Erfahrung. Die Form des Helms
hat keinen Einfluss auf die Qualität eines Brandes. Sie wird meist
aus optischen Grün-den gewählt. Ein Helm wird dann auf eine
Brennblase aufgesetzt, wenn wegen fehlender Raumhöhe die Brennkolonne
seitlich versetzt werden muss. Hier bildet der Helm die Ver-bindung zwischen
Blase und Kolonne. Bei Brennhäfen ohne Kolonne, kann der Helm deren
Funktion zum Teil übernehmen. Allerdings wird dann meist zweimal
gebrannt.
Im
Raum daneben blendet grelles Licht unsere Augen. Hier werden Brennblasen
zusammen-geschweisst und Armaturen ein-gelötet. Der Schweisser in
seinem schwarzen Schutzhelm sieht fast aus wie eine Gestalt aus einem
Science-Fiction-Film. Das Werk-stück wird in einer Einspannvor-richtung
langsam gedreht und der Schweisser verbindet die beiden Teile mit einer
feinen Schweiss-naht. Nach dem Hämmern ist die Naht verschwunden
und nur ein Spezialist kann sehen, wo die Einzelteile zusammenstossen.
Im Nebenraum werden Heizkammern und Wasserbäder gebaut. Eine Heizkammer
wird soeben auf ihre Druckfestigkeit geprüft. Das ist wichtig, denn
sie ist Bestandteil des Wasserbads. Bekanntlich dehnt sich Was-ser beim
Erhitzen aus und erzeugt Druck.
Ich
erkundige mich, ob die Brennan-lagen aus Edelstahl auf der Innenseite
mit Kupfer beschichtet werden. "Alle unsere Anlagen sind aus Kupfer.
Sie können zwar mit Edelstahl umwandet sein. Dies dient jedoch nur
Reinigungszwecken, denn Kupfer muss intensiver gepflegt werden als Edelstahl.
Ein guter Brand entsteht nur in einer Kupferblase. Kupfer ist ein Katalysa-tor
für chemische Vorgänge. Unerwünschte Substanzen, z.B. Ethylcarbamat,
werden vom Kupfer festgehalten und gelangen nicht ins Destillat",
werde ich belehrt. Die Anlagen mit Edelstahl-Ummantelung sind genau gleich
gebaut wie jene ohne. Die Kupferstärke ist überall dieselbe.
Dietrich betont, dass alle seine Handwerker ausge-bildete Kupferschmiede
sind. Im Betrieb werden 3 - 4 Lehrlinge ausgebildet. Sie sind der Nachwuchs,
auf den die Firma zurückgreifen möchte, damit auch noch in 10
oder 20 Jahren Brennereigeräte aus Kupfer hergestellt werden können.
Eine Automatisierung der Produktion ist nur sehr beschränkt möglich,
da praktisch jede neue Anlage ein Einzelstück ist. Der Betrieb ist
vom TÜV zertifiziert. Entsprechend muss die Ausbildung der Mitarbeiter
immer auf dem neusten Stand sein.
Nun
lerne ich auch noch den Inhaber der Firma, Arnold Holstein, sowie seine
beiden Söhne Arnold junior und Markus kennen. Die drei bilden die
Geschäftsleitung der Holstein GmbH. Die Holsteins bauen schon in
der dritten Generation Brennanlagen. Grossvater Holstein eröffnete
in den 20-er Jahren eine Kupferschmiede in Erichskirch bei Friedrichs-hafen.
Diese besteht noch heute und stellt ebenfalls Brenn-geräte her. Sie
wird von zwei Brüdern von Arnold Holstein sen. geführt. 1958
gründete Arnold Holstein seinen eigenen Betrieb in Markdorf. Erstaunlicherweise
können hier zwei gleiche Unternehmen in unmittelbarer Nähe ohne
weiteres gedeihen. Das Brennen hat offensichtlich goldenen Boden.
Zum Schluss unseres Rundganges führt mich Dietrich in eine Garage,
wo eine topmoderne, vollautomatisch gesteuerte Kleinbrennanlage steht.
Holstein baut nämlich nicht nur Brennereigeräte, sondern ist
auch eine Abfindungsbrennerei. Dies entspricht in der Schweiz etwa einer
bäuerlichen Brenne-rei. "Wir dürfen jährlich 600 Liter
Alkohol brennen", erklärt Dietrich, und seine Augen glänzen.
Die Anlage ist aber nur zum Teil ein Hobby. Es werden immer wieder Verbesserungen
ausprobiert und neue Ideen getestet. Ausserdem ist es bestimmt nicht falsch,
wenn Anlagenbauer auch etwas vom Brennen verstehen. Und als kleine Aufmerksamkeit
für einen Kunden ist ein Fläschchen Selbstgebrannter ja auch
nicht zu verachten.
Interview : H.J. Zehnder
Bilder : Holstein GmbH. und H.J. Zehnder
6.3.03 / ze
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